Obwohl sich Arbeitnehmervertreter und Geschäftsführung auf einen Abbau von Arbeitsstellen geeinigt hatten, hat der Versandhandel nun doch Insolvenz angemeldet. Weil der Eigentümer kein Geld mehr investieren will.
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Über Wochen zog sich die Diskussion um den finanziell schwer angeschlagenen Versandhandel hin. Zuletzt sah es so aus, als habe man eine Lösung für die Krise gefunden. Rund 1400 Arbeitsplätze sollten gestrichen werden. Auch 100 Teilzeitbeschäftigte und freie Mitarbeiter hätten gehen müssen, teilte die Gewerkschaft verdi mit. Doch immerhin hatten sich die Parteien auf eine Abfindung für die scheidenden Mitarbeiter geeinigt. Ein Paukenschlag ließ die Einigung nun im Winde verwehen. Der Eigentümer Neckermanns, der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital weigerte sich, die zum Erhalt der übrigen Arbeitsplätze nötigen 25 Millionen Euro bereitzustellen. Stattdessen wurde beim Amtsgericht Frankfurt der Insolvenzantrag eingereicht. Aus den 1400 Mitarbeitern, die ihre Stelle zu verlieren drohten, sind deren 3100 geworden.
Kritik an der Weigerungshaltung kam am Mittwoch prompt aus dem Römer. „Der Insolvenzantrag ist die schlechteste Lösung“, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Sun Capital entziehe sich seiner sozialen Verantwortung, die es für seine Belegschaft habe, kritisiert der OB. Nun entscheidet ein Insolvenzverwalter, wie und ob es mit dem Versandhaus weitergeht. Bis Ende September erhalten die Angestellten Insolvenzgeld. Die Geschäftsführung ließ verlauten, man könne sich vorstellen, den Kataloghandel aufzugeben und Neckermann als einen reinen Internetversand fortzuführen. Das Logistikzentrum in Frankfurt würde in diesem Fall geschlossen. Verdi will sich mühen, dies zu verhindern.