Am „Girls‘ Day“ gewähren Betriebe Mädchen einen Einblick in die Arbeitswelt – so auch der Frankfurter Verein Jumpp. Seit über 40 Jahren hilft Jumpp Frauen beim Einstieg in den Beruf.
Sina Claßen /
Was willst du einmal werden? Die Frage kennt jede Schülerin, selbst wenn sie die Antwort darauf noch nicht weiß. Um die Entscheidung einfacher zu machen, wurde 2001 der Mädchen-Zukunftstag „Girls‘ Day“ ins Leben gerufen – der „Boys’ Day“ kam später hinzu. Das Konzept: Mädchen schnuppern in klassische Männerberufe und umgekehrt. Auch der Frankfurter Verein Jumpp beteiligt sich in diesem Jahr wieder am „Girls‘ Day“.
Jumpp berät zwar nicht ausschließlich, aber schwerpunktmäßig Frauen in puncto Selbstständigkeit. Vergangenes Jahr feierte der gemeinnützige Verein, der aus der feministischen Bewegung in den 80ern heraus entstanden ist, sein 40-jähriges Jubiläum. Gefördert wird Jumpp bereits seit vielen Jahren vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt sowie weiteren öffentlichen und privaten Geldgebern.
Eines der ersten Gründerinnenzentren in ganz Deutschland
Unter dem Namen „Frauenbetriebe e.V.“ eröffneten die Frankfurter Soziologinnen Lu Haas und Gudrun Krieger 1984 in der Hohenstaufenstraße eines der bundesweit ersten Gründerinnenzentren für Frauen und Mädchen im Handwerk und in Handelsberufen. „Es gibt noch die Weiberwirtschaft in Berlin“, erzählt Jumpp-Geschäftsführerin und Vorständin Unica Peters. „Beide Zentren waren sozusagen Vorläufer für das, was man heute Coworking-Space nennt.“
Das Frankfurter Gründerinnenzentrum beherbergte sowohl Metall- und Holzwerkstätten als auch eine Gewerbeküche und Kinderbetreuung. Außerdem gab es mit „Frauenbetriebe Design“ einen externen Laden in der Bockenheimer Ladengalerie, in dem die Frauen ihre hergestellten Objekte anboten. So lernten sie neben handwerklichen Fähigkeiten auch Warenwirtschaft, Ladenführung und Verkauf. Einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt betreuten sie ebenfalls.
Passt die Selbstständigkeit überhaupt in meine Lebensrealität?
Heute ist Jumpp in der Hamburger Allee 96 nahe des Westbahnhofs ansässig. Unter dem Motto „Ihr Sprungbrett in die Selbstständigkeit“ begleitet der Verein Frauen – und seit über 15 Jahren auch Männer – auf dem Weg zur Unternehmensgründung. Oft geht es zunächst um die Frage, ob die Selbstständigkeit zu der jeweiligen Person und deren Lebensrealität passt und somit eine sinnvolle Alternative zur Anstellung darstellt, erklärt Peters. Auch konkrete Geschäftsideen prüft Jumpp. Den Businessplan müssen Kundinnen und Kunden jedoch selbst schreiben. Pro Beratungsstunde zahlen sie 90 Euro plus Mehrwertsteuer.
Wer stattdessen überlegt, eine Unternehmensnachfolge anzutreten, kann sich kostenfrei beraten lassen. Das gilt auch für Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen möchten – etwa nach einer längeren Familienphase oder Migration nach Deutschland, wo Qualifikationen oftmals nicht anerkannt werden. Diesbezüglich bietet Jumpp verschiedene Projekte an. Darüber hinaus arbeitet der Verein mit der Arbeitsagentur zusammen, wo Arbeitssuchende sich Gutscheine für ein Coaching ausstellen lassen können.
Frauen haben das Thema Nachhaltigkeit im Blick
Im Jahr 2023 wurden laut Statistischem Landesamt rund 37 Prozent aller Gewerbeanmeldungen in Hessen von Frauen getätigt. Dazu zählen Neugründungen sowie Übernahmen. Frauen sind zwar in der Gastronomie und im Handel aktiv, am häufigsten gründen sie jedoch im Dienstleistungsbereich, erklärt Peters. „Das ist etwas weniger kapitalintensiv.“
Viele Frauen bieten Beratung und Coaching an, machen sich als Steuerberaterin oder Anwältin selbstständig. Besonders interessant: Frauen, die gründen möchten, orientieren sich mit ihren Ideen häufig am Gemeinwohl und haben in Bezug auf den Klimawandel stets das Thema Nachhaltigkeit im Blick, so Peters.
Auch das 16-köpfige Team von Jumpp besteht komplett aus Frauen. Wobei es eine Ausnahme gibt: Er hat braunes Fell, liegt im Körbchen neben dem Schreibtisch der Geschäftsführerin und heißt Lenny. „Das ist unser Quotenmann“, sagt sie über ihren Jagdhund-Mischling.
Selbstständigkeit ist immer ein finanzielles Risiko
Dass Frauen in der Szene im Vergleich zu Männern unterrepräsentiert sind, hat laut Peters vielfältige Gründe. Zum einen ist Selbstständigkeit immer ein finanzielles Risiko. Da Frauen häufiger in Teilzeit und seltener in Führungspositionen arbeiten, verdienen sie weniger Geld. Kinderbetreuung und Mutterschutz spielen ebenfalls eine Rolle – letzterer wurde kürzlich vom Bundestag ausgeweitet und soll künftig auch bei Fehlgeburten greifen. Außerdem trauen sich Mädchen nach wie vor weniger zu, weil ihnen das durch Stereotype so vermittelt wird. Ziel des „Girls‘ Day“ ist es, das zu ändern.
Info Hessischer Unternehmerinnentag Am 29. August findet der 24. Hessische Unternehmerinnentag statt, den Jumpp als Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft ausrichtet. Geboten werden Impulse, Perspektiven und Netzwerkmöglichkeiten. Die Veranstaltung in der IHK Frankfurt ist von 9.30 bis 16 Uhr geplant. Interessierte können sich bis zum 22. August hier anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.