Der Kuhhirtenturm in Alt-Sachsenhausen ist frisch renoviert. Heute wird er offiziell von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth eröffnet und mit ihm auch die dortige Paul Hindemith-Ausstellung.
Melanie Welters /
Es riecht noch nach frischem Holz, Handwerker laufen von Stockwerk zu Stockwerk und legen rasch nochmal Hand an. Denn heute wird Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) den frisch sanierten Kuhhirtenturm eröffnen und mit ihm eine öffentliche Erinnerungsstätte. Denn in dem gotischen Wehrturm lebte und arbeitete von 1923 bis 1927 Komponist Paul Hindemith, dessen Werk nun ausgestellt wird. Und schon gestern stellten Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) im Kammermusikzimmer direkt unter dem Dach des Kuhhirtenturmes aus dem 14. Jahrhundert das Hindemith-Kabinett vor.
Im Zuge des Förderprogramms zu Alt-Sachsenhausen wurde der Turm knapp ein Jahr lang von innen und außen renoviert. Er gehört mit dem angeschlossenen Torhaus zum letzten Überbleibsel der mittelalterlichen Sachsenhäuser Befestigungsanlagen und steht als Wahrzeichen des Viertels unter Denkmalschutz. Zum ersten Mal wurde er 1957 saniert, nachdem er im Zweiten Weltkrieg starken Schaden genommen hatte. Im letzten Jahr wurde er dann nach historischem Vorbild rekonstruiert und aus Brandschutzgründen modernisiert. Mit rund 800.000 Euro sind die Arbeiten vom Förderprogramm Alt-Sachsenhausen getragen worden. Kulturdezernent Semmelroth gab einen zuversichtlichen Ausblick des Viertels für die Zukunft: „Mit dem Kuhhirtenturm und dem benachbarten Paradieshof, der nach seinem Umbau Michael Quasts ‚Fliegende Volksbühne‘ beherbergen wird, entsteht am östlichen Ende des Museumsufers ein kleines, aber feines Kulturensemble.“ Er erhofft sich so eine Aufwertung des Quartiers zu einem Publikumsmagneten. Auch Planungsdezernent Schwarz sieht in dem Projekt einen „wichtigen Akzent“, der dem Viertel zu neuem Aufschwung verhelfen wird.
Paul Hindemith ist Frankfurts bedeutendster Komponist. Mit nur 20 Jahren wurde er Konzertmeister des Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Erst 1923 gab er diese Stellung auf, um sich ganz seinem Dasein als Komponist und Bratschist zu widmen. Mit seiner Mutter, Schwester und Ehefrau lebte er vier Jahre lang im Kuhhirtenturm und komponierte unter anderem die Oper „Cardillac“. Susanne Schaal-Gotthardt, Direktorin des Hindemith-Instituts und Hans-Dieter Resch von der Hindemith-Stiftung stellte den Aufbau der Ausstellung vor. „Der erste und zweite Stock ist den Stationen aus Paul Hindemiths Leben gewidmet. Zu sehen gibt es Originalexponate, wie eines seiner Streichinstrumente und Reproduktionen auf Tafeln“, erklärte Susanne Schaal-Gotthardt. Im dritten Stock sollen Wanderausstellungen gezeigt werden. Erstes Thema: Hindemith und die Expressionisten. Im Turmzimmer startet das Hindemith-Institut in diesem Jahr die Konzertreihe „Kammermusik im Kuhhirtenturm“, um an sein musikalisches Schaffen an diesem Ort zu erinnern.
Die Ausstellung ist nach dem Eröffnungswochenende (26. + 27. Februar) immer sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.