In die leerstehenden E-Kinos an der Frankfurter Hauptwache kehrt Leben ein. Den Anfang macht das Lichter Filmfestival. Doch dabei wird es nicht bleiben.
Jasmin Schülke /
Noch gibt es nichts zu sehen, die Scheiben der ehemaligen E-Kinos an der Hauptwache sind abgeklebt. Doch dahinter wird eifrig gewerkelt. Der Street Artist Pesh aus Tel Aviv ist nach Frankfurt gekommen, um der Location den Massif-typischen Innenanstrich zu geben. Am 3. April zum Soft Opening wird das Geheimnis gelüftet und wieder Leben in die E-Kinos einkehren.
Die Überraschung war groß, als Anfang Dezember Geschäftsführer Florian Joeckel die Katze aus dem Sack ließ: Das Massif Central wird die seit einem Jahr leerstehenden E-Kinos an der Hauptwache übernehmen und bespielen. Unter dem Namen Massif E sollen dort ab April „Kunst, Design, Demokratie, Street Art, Kultur, Kulinarik, Sport und auch Film einen neuen Platz finden“.
„In enger Zusammenarbeit mit der Eigentümerfamilie Jaeger haben wir ein innovatives Nutzungskonzept für diese bedeutende Immobilie entwickelt“, erläutert Joeckel. „Ähnlich wie das Massif Arts an der Eschersheimer Landstraße wollen wir auch das Massif E als dauerhaften Ort für Events, Ausstellungen, Filmabende und Diskussionen etablieren“, ergänzt Oemer Enrique Erol, Projektleiter des Massif E, das Konzept.
Lichter Filmfest im Massif E an der Frankfurter Hauptwache
Ab September will das Massif E seinen Regelbetrieb mit festen Veranstaltungen starten, davor finden vereinzelt Events statt. Das erste wird das Lichter Filmfest sein, das vom 22. bis 27. April läuft. Für die neue Nutzung wurde das Kino teilweise umgestaltet. Von den acht Kinosälen sollen zwei weiterhin als solche genutzt werden: das Esplanade-Kino 1 im Untergeschoss mit 223 Plätzen und das Eden-Kino im Erdgeschoss mit 37 Sitzplätzen. „Hier können wir uns vorstellen, Klassiker der Filmgeschichte zu zeigen oder auch Filme zu bestimmten Themen auf die Leinwand zu bringen“, erläutert Florian Joeckel.
Das ehemals größte Kino, das Europa-Kino im ersten Obergeschoss, ist jetzt eine Ausstellungs- und Event-Fläche, hier wurde die Kinobestuhlung entfernt. Die Elysee-Kinos 1 und 2 im zweiten Obergeschoss sind als Vortragsräume vorgesehen, die Bestuhlung samt der Kinotechnik soll jedoch erhalten bleiben. Komplett neugestaltet ist das Foyer: Die ehemalige Popcorn-Theke wurde durch eine Bar ersetzt.
„Das Esplanade-Kino im Untergeschoss und das Foyer werden das Herzstück für unsere Bespielungen werden“, erläutert Joeckel. „Nach dem Lichter Filmfest fokussieren wir uns auf die ‚Nacht der Museen‘“. Das Massif E wird im Zuge der Ausstellung im großen Saal Europa ein Highlight präsentieren: ein Kolossalbild des oscarprämierten Filmdesigners Hein Heckroth von 1970. Das Gemälde ist 14 Meter breit und fast fünf Meter hoch. Es wurde 2023 wiederentdeckt und noch nie öffentlich in Frankfurt gezeigt.
Schließung der E-Kinos als Ende einer Ära in Frankfurt
Die Nachricht von der Schließung der E-Kinos hatte im Frühjahr 2024 große Bestürzung in der Stadt hervorgerufen und wurde auch als Ende einer Ära bezeichnet. Nach über 70 Jahren ging Ende April das Licht aus. Nach der Pandemie kamen nicht mehr so viele Besucherinnen und Besucher ins Kino. Das traditionsreiche Haus konnte nicht mehr an die glanzvollen Zeiten anknüpfen. Einst waren dort bekannte Schauspielerinnen wie Sophia Loren und Hildegard Knef zu Gast, in der jüngeren Vergangenheit feierten Filme mit Matthias Schweighöfer und Elyas M’Barek Premieren.
„Heute Abend öffnet sich zum letzten Mal der Sternenhimmel-Vorhang und es wird zum letzten Mal ein Kinoerlebnis in diesem Saal geben“, waren die traurigen Worte, als am 28. April der letzte Film anlief: „Back to Black“, der Film über die verstorbene Sängerin Amy Winehouse. Doch in der Stadt gab es einige Umtriebige, die das nicht so einfach hinnehmen wollten: Joeckel und Co. traten auf den Plan. „Unter dem Radar“ habe man ein halbes Jahr verhandelt, bevor man mit der Nachricht an die Öffentlichkeit getreten sei.
Dass die Macher des Massif Central keine Angst vor großen Projekten haben, konnten sie bereits mit der Übernahme des traditionsreichen Bethmannhofs beweisen. Sie haben die leerstehende Immobilie in der Innenstadt zu einem Kreativzentrum und Treffpunkt der Stadtgesellschaft gemacht. Die Nachricht von der Übernahme der E-Kinos ist ein weiterer Move. „Das ist Innenstadtentwicklung 2.0“, sagt Joeckel. Für die Hauptwache und Zeil, wo es seit geraumer Zeit große Pläne gibt, aber wenig Bewegung zu verzeichnen ist, ist das vor allem eine gute Nachricht. Hoffentlich ist die Übernahme der E-Kinos eine Initialzündung.
Info Massif E, Ffm: Zeil 125, Soft Opening: 3. April, 16 bis 20 Uhr