Foto: Die neue Ausstellung in der Caricatura: RUDI HU. EUROPA © Caricatura Frankfurt
Frankfurter Comicausstellung

Zeichnerinnen auf dem Vormarsch

Favorisieren Teilen Teilen

Drei Veranstaltungen rund um Comics, Cartoons und Grafik buhlen um die Gunst der Freunde gezeichneter Welten. Das Klingspor Museum Offenbach, die Caricatura Frankfurt und das Weltkulturen Museum präsentieren ihre Ausstellungen.

Gregor Ries /

Es sei keineswegs Absicht gewesen, den Fokus rein auf Künstlerinnen zu legen, sagte Kuratorin Tatjana Prenzel vom Klingspor Museum Offenbach. Doch in den letzten Jahren gewannen die teils von Kunsthochschulen geprägten Zeichnerinnen mit eigener Handschrift an Einfluss. So wurde Aisha Franz mit ihrer satirischen Graphic Novel „Work Life Balance“ um Probleme in der Arbeitswelt 2022 mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet. Farbstift-Zeichnungen nebst einem Heim-Schreibtischplatz aus Papp-PC und riesigen Papp-Pantoffeln finden sich auch in der Ausstellung „Von der Seite in den Raum – Grenzenlosigkeit im zeitgenössischen Comic“. Die Ausstellung wird heute mit einer Comiclesung von Illustratorin Katharina Hantke um 18 Uhr eröffnet.

Martin Sonneborn kommt nach Frankfurt

Paulina Stulin erhielt im letzten Jahr die Ehre, den Caricatura-Salon mit ihren Zeichnungen eröffnen zu dürfen. Als dritte Ausstellung kommt mit Rudi Hurzlmeier ein alter Bekannter zu Geltung. Seine „Europa“-Gemälde unter dem Namen Rudi Hu sollte auf Einladung von Chefsatiriker Martin Sonneborn, fraktionsloses Mitglied im Europaparlament, in Straßburg ausgestellt werden. Diese erschien den Verantwortlichen am Ende doch zu brisant. Zwei Wochen vor der Vernissage sagte man die Schau ab. Die Caricatura zeigt die bissigen 19 Arbeiten um apokalyptische Visionen, Schweine züchtigende Bauern, Gesichtswurst-Aufschnitt und außer Rand und Band geratene Kanzlerinnen nun im eigenen Salon. Neue Arbeiten um Donald Trumps Muppet-Show und Friedrich Merz entstanden nur für Frankfurt. Eine leere Leinwand will Rudi Hu im Juli live mit grafischem Leben erfüllen. Zur Eröffnung heute um 19 Uhr kündigte sich zudem Ex-Frankfurter Martin Sonneborn an.

Lebensgroße "Fungirl"-Puppe

Prenzel und Museumsleiterin Dr. Dorothee Ader vom Klingspor Museum fiel auf, dass man im Haus für Buch-/Schriftkunst noch keine Comicausstellung präsentiert hatte. Aus dem eigenen Archiv konnte man lediglich Arbeiten des für Radierungen und Holzschnitte bekannten Hans Maasereel (1889-1972) beisteuern. Prenzel richtete ihren Blick auf internationale, teils experimentelle Arbeiten aus den letzten zwei bis drei Jahren. Die Hochschule für Gestaltung ist sowohl mit einem Magazin („Green Purple Blue You“) und scanbaren QR-Codes um im Raum erscheinende Werke vertreten. Ebenso steuerte man Zines (Publikationen im Kleinformat) aus dem Bestand des Hamburger „Raum für Illustrationen“ und von Colorama Berlin bei. Am 12. April ab 11 Uhr bietet Colorama einen kostenpflichtigen Zine-Workshop an.

Wichtig sei die Interaktion verschiedenster Bereiche. Prenzel konzentrierte sich auf Comics an der Schnittstelle zu Malerei und Installation. So finden sich mit Keramiktassen, einem begehbaren Zelt, skurrilen Stofftieren oder einer lebensgroßen „Fungirl“-Puppe (allerdings ohne den ursprünglichen Sarg) Objekte aus den Werken wieder – nicht immer zum Anfassen geeignet. Vertreten sind unter anderem Künstler*innen wie Nando von Arb, Nino Bulling, Jul Gordon, Malwine Strauss, Ika Sperling und viele mehr.



Nando von Arb, Fürchten lernen © Klingspor Museum

Nur heute zu sehen ist eine Pop-up-Ausstellung von 19-21 Uhr im Weltkulturen Museum. Zur Vorbereitung der Ausstellung „Sheroes. Comic Art from Africa“ (ab 1. November) hatte das Museum vier Künsterinnen für eine mehrwöchige Artist Residency zu Gast. Heute treffen Charity Atukunda, Reine Dibussi, Akosua Hanson und Catmouse James bei einem Comic-Impro-Event auf Katharina Hantke (zuvor in Offenbach), Ilknur Koçer, Amelie Persson und Paulina Stulin. Zu sehen sein werden Skizzen, Zeichnungen und kurze Comics aus Anlass der „Nacht der Bibliotheken“.

Neues Werk von Ulli Lust

Zudem kann man an gleicher Stelle Ulli Lust mit ihrem ersten Sachcomic „Die Frau als Mensch“ erleben. Von vielen Zeichnerinnen als Vorbild genannt, unterhält sich die Österreicherin am Dienstag, 22. April, um 19 Uhr mit Moderator Jakob Hoffmann über ihr in der Steinzeit angesiedeltes, neuestes Werk.

Info
Offenbach, Klingspor Museum
„Von der Seite in den Raum“, bis 27. Juli,
Öffnungszeiten: Di-Do 13-18 Uhr, Fr 14-21 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr

Frankfurt, Caricatura
„Rudi Hu“, bis 21. September
Öffnungszeiten: Di-So 11.00-19.00 Uhr


Foto: Die neue Ausstellung in der Caricatura: RUDI HU. EUROPA © Caricatura Frankfurt

Mehr Kunst-News

Kalender