Katalanische Visitenkarte in der Brotfabrik

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detlef kinsler /

Shantel in der Batschkapp ausverkauft, Tocotronic in Offenbach gut voll - da blieben für die erste Runde der Catalan Sounds in der Brotfabrik nur wenig Gäste übrig, obwohl der Club wie auch das Institut Ramon Llull im Vorfeld der Buchmesser mit dem katalonischen Schwerpunkt viel Werbung gemacht hatte.


Das Doppelkonzert mit Òscar Briz und Nubla jedenfalls hat - da waren sich Veranstalter, Personal und Fans einig - mehr Publikum verdient gehabt. Briz, der Singer/Songwriter, wartete mit einer interessanten Besetzung auf - teilweise mit zwei Melodicas, für viele ein Un-Instrument oder Gimmick, eher im Dub oder bei Anarcho-Rockern (oder den Hooters) zuhause, hier aber ein wirklich schönes Stil- und Klangmittel neben Flöte und Drums plus Percussion zu Bass und Gitarre. Was an der Musik des sympathischen Sängers speziell katalanisch (außer der Sprache) war? Keine Ahnung. Zumindest war mehr Latin-, Karibik- und Südamerika-Feeling auszumachen.


Nach längerer Umbaupause kam Sängerin Nubla mit ihrem vielköpfigen Ensemble auf die Bühne. Als Club-kompatibles „Ohrenkino“ angekündigt, wird die Phantasie, die die Musik über Platte anregt, auf der Bühne mit viel Optik schon vorweg genommen, allerdings auf sehr spielerische, angenehme Weise. Schöne Filmsequenzen auf der Leinwand untermalen die Musik, die tatsächlich - wer hätte sich das nach der Beschreibung wirklich vorstellen können?! - eine Art „Downtempo-HipHop mit Samples aus alten Hollywood-Songs und anderem Material aus den Fünfzigern” war. Das, was die sieben Musiker da auf die Bühne zauberten, ganz klassisch auch mit akustischen Gitarren und Kontrabass zu Apple Powerbooks und Dj "Scratches", hatte auch dank der Optik der drei Frauen und schöner Lichteffekte fast Performance-Charakter, kam oft verspielt-kokett, aber eben nie banal herüber, nicht mal in den - nennen wir´s mal - Bubblegum-Momenten. Nubla ist eben schon - anders als Avril Lavigne, haha - eine ernsthafte Künstlerin, auch wenn sie vor allem mit ihrer Band viel viel Spaß auf der Bühne haben will.


Am 11.10. kommen dann - ebenfalls in die Brotfabrik - Antònia Font und Lax’n’Busto, um den Beweis anzutreten, dass Katalonien richtig rockt.


Foto: © Detlef Kinsler


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