Foto: Mit Rhesusaffen forscht das Institut. © Adobe Stock/KC.STUDIO
Ernst-Strüngmann-Institut

Nach einem Jahr: wieder Tierversuche in Frankfurt

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Das Frankfurter Ernst-Strüngmann-Institut darf seit dem 31. März wieder Tierversuche mit Affen durchführen. Zuvor hatte es an qualifiziertem Personal gemangelt.

Jannis Seelbach /

Der 1. März 2024 dürfte ein bedeutender Tag in der Geschichte des Ernst-Strüngmann-Instituts (ESI) gewesen sein: Nicht nur der damalige Tierhausleiter, auch die damalige Tierschutzbeauftragte verließen das Institut. Und damit das qualifizierte Personal zur Durchführung von Tierversuchen. Das 2008 gegründete Institut verzichtete deshalb ein Jahr lang auf Tierversuche mit Affen.

Neues Personal gefunden

Dieser Umstand hat sich geändert. Wie das Regierungspräsidium Darmstadt gegenüber dem JOURNAL bestätigte, sind Versuche ab dem 31. März dieses Jahres wieder erlaubt. Entsprechende Vorgaben seien erfüllt. Zudem werde engmaschig und unangekündigt kontrolliert. Durch die Einstellung eines neuen Tierhauschefs, Matthias Ebert, ist nun qualifiziertes Personal vorhanden. Dieser hatte bis 2024 keine Erfahrungen mit Affen. Durch eine Fortbildung erlangte er die erforderlichen Qualifikationen.

Kritik an den Versuchen

Es gibt Kritik an den Tierversuchen. 2024 protestierten drei Initiativen mit Kundgebungen, Mahnwachen und Menschenketten gegen die Tierversuche des Instituts. Auf der Webseite des Vereins Ärzte gegen Tierversuche e.V. heißt es: „Makaken (sowohl Rhesus- als auch Javaneraffen) und Weißbüscheläffchen leiden oft über unfassbar lange Zeiträume von 10–20 (!) Jahren für die sogenannte Grundlagenforschung.“

Viele Forscher zweifeln die Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse an. Madeleine Martin, Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen, meint: „Man sollte die Modelle der 80er Jahre überdenken.“ Forscher sollten innehalten und überlegen, ob die gewählten Methoden noch aktuell seien, führt sie weiter aus. Das Ernst-Strüngmann-Institut (ESI) hält die Grundlagenforschung durch Tierversuche für hochrelevant: „Für solche Untersuchungen sind Tierversuche unumgänglich. Die Erkenntnisse, die wir mithilfe von Rhesusaffen, Weißbüschelaffen sowie Ratten und Mäusen gewinnen, können helfen, die Prozesse zu erklären, die der menschlichen Kognition zugrunde liegen." Das ESI sei sich der Verantwortung sehr bewusst, die Tierversuche mit sich brächten. Das Institut wolle die Anzahl der Versuchstiere verringern, Methoden zum Schutz und zur Förderung des Tierwohls verbessern und Tierversuche, wo es geht, vermeiden.

Affen als Grundlagenforschung

Obwohl keine Versuche im letzten Jahr durchgeführt wurden, behielt das Institut die Affen. Eine Umsiedlung der Primaten wäre mit hohem Stress für die Tiere verbunden. Dies wäre aus Tierschutzgründen zu vermeiden, sagt ein Sprecher des Regierungspräsidiums. Die Tiere wären stets versorgt und tierärztlich betreut. Dies wurde behördlich überwacht. Tierschutzbeauftragte Martin fordert: „Bestimmte Affen sollten abgegeben werden.“ Das seien beispielsweise jene, die nie in Versuchen verwendet wurden oder werden. Laut Martins Informationen habe das ESI vor, einige Affen abzugeben.


Foto: Mit Rhesusaffen forscht das Institut. © Adobe Stock/KC.STUDIO

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