Kurz vor der Schließung

Volkstheater-Leute wollen weitermachen

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Das Volkstheater im Großen Hirschgraben spielt dem Ende seiner letzten Spielzeit entgegen - mit dem Stück "Wie zerronnen, so gewonnen." Nun hat sich ein Verein gegründet, der die Tradition fortleben lassen möchte.

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Natürlich war da viel Ironie dabei, als die Schließung des Volkstheaters Frankfurt bekanntgegeben wurde - mit dem Stück "Wie zerronnen, so gewonnen" sollte es vorbei sein. Dann noch eine Wiederaufnahme von "La cage aux folles" bis in den Mai, Vorhang zu. Jetzt sind wieder alle Fragen offen. Das Romantikmuseum, was an gleicher Stelle entstehen sollte, steht seit den Sparbeschlüssen der Koalition in den Sternen, der Cantate-Saal könnte vom Abrissbagger noch eine Weile verschont bleiben. Das hofft zumindest ein Verein, den Mitarbeiter des Hauses gegründet haben.

In einer Mitteilung des Vereins heißt es: "17 Vertreter des bewährten Teams haben sich nun zu einem Verein zusammengeschlossen, der den Namen „Volkstheater Hessen“ trägt. Sein Hauptzweck ist es, für die vielen Anhänger des Hauses weiter Volkstheater zu machen – die Tradition stets im Blick, aber auf neuen Füßen stehend." Die Leitung des Vereins haben die Volksschauspielerin Anette Krämer, der Schauspieler und Regisseur Steffen Wilhelm und der kaufmännische Mitarbeiter Hauke Hummel übernommen. Weitere Mitglieder sind die ebenfalls von der Bühne bekannten Schauspieler Heinz Harth, Sabine Isabel Roller, Detlev Nyga sowie Kostümbildner und Techniker. Der Verein muss noch ins Register eingetragen werden, die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist geplant. Zugleich will der Verein mit der Stadt verhandeln, um das Theaterhaus im Großen Hirschgraben für eine Übergangszeit noch weiter nutzen zu können.

Das Aus fürs Volkstheater, das einst von Liesel Christ begründet worden war, war im April 2012 von Leiterin Gisela Dahlem-Christ wehmütig bekanntgegeben worden. Schon in den Jahren zuvor hatte das Haus den Rückhalt im Kulturdezernat verloren - und auch das Publikum kam nicht mehr scharenweise in jedes Stück wie noch zu seligeren Zeiten. Dazu kamen finanzielle Probleme. Kulturpolitisch mag der Schritt, das Volkstheater nicht mehr weiter unterstützen zu wollen, von der Aussicht getragen worden sein, dass mit der Fliegenden Volksbühne von Michael Quast in Alt-Sachsenhausen eine feste Spielstätte mit ähnlicher Ausrichtung, nämlich mundartlichem Theater, entstehen sollte. Diese ist nun aber ebenso dem Sparwillen der Stadtregierung zum Opfer gefallen wie das oben genannte Romantikmuseum. Dass Frankfurt ein Mundart-Theater aber braucht, das glauben nicht nur die Mitglieder des neugegründeten Vereins, das glaubt auch Michael Quast, der mit seiner Volksbühne wie bisher auf Gastspiel-Reise geht und das große Festival Barock am Main vorbereitet. Und das glaubt auch Thomas Bäppler mit seinem Theatrallalla, der dort am Dienstagabend das erste Stück aufführt.


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