Der Film „We Were the Lucky Ones" zeigt eine unwahrscheinliche Erzählung des Überlebens einer jüdischen Familie in Polen zur Zeit des Nationalsozialismus, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Gloria Hunter. Die Serie kann auf Disney+ gestreamt werden.
Daniel Urban /
Es gibt Familiengeschichten, die sind in jedem nur denkbaren Sinne so ungeheuerlich, dass sie in einer filmischen Aufarbeitung kaum anders denn unwirklich erscheinen können. Eine Inszenierung solcher Geschichten birgt etliche Fallstricke: wie Filmmusik, Maske, Schnitt oder Kamera einsetzen, wie schauspielern, will man doch einerseits das Publikum mit an die Hand nehmen, andererseits keine verkitschte Entertainment-Farce produzieren. „We Were the Lucky Ones“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Georgia Hunter, die mit 15 Jahren erstmals von der eigenen Familienhistorie und dem unwahrscheinlichen Überleben ihrer Angehörigen hörte.
Mini-Serie zeigt jüdisches Leben in Polen während der NS-Zeit
Showrunnerin Erica Lipez inszeniert ihre Geschichte nun als Mini-Serie. Sie folgt ab 1939 der jüdischen Familie Kurc, die im polnischen Radom lebt. Während der latent vorhandene Antisemitismus innerhalb der Bevölkerung sich immer weiter zuspitzt, wird das Leben der Großfamilie spätestens mit Einmarsch der deutschen Nationalsozialisten zu einer Hölle auf Erden. Die Narration folgt den Familienmitgliedern, die sich aufgrund der mörderischen Verfolgung quer über die Welt zerstreuen.
Dabei gelingt der Serie trotz inszenatorischer Schwächen und teilweise allzu hollywood-esker Dramatisierung eine eindringliche Erzählung, die einerseits – und viel zu selten gezeigt – jüdische Protagonisten als handelnde Subjekte zeigt. Andererseits werden die unvorstellbaren Lebensbedingungen der jüdischen Bevölkerung Polens, vor 1939 eine der weltweit größten und fast zum Verschwinden gebracht, in all ihrer Drastik nachgezeichnet.
Info Disney+: We Were the Lucky Ones, bereits verfügbar