Finden Sie nicht auch, dass das diesjährige Berlinale-Logo irgendwie nach Advent aussieht? Nun ja, geschneit hat es in Berlin jedenfalls bislang noch nicht, aber immerhin reiste aus den USA ein blond gelockter Engel an, um Werbung für seinen (ihren) neuen Film zu machen: Michelle Pfeiffer war da, die in Stephen Frears' Wettbewerbsbeitrag „Cheri“ eine Kurtisane im Paris der Zwanzigerjahre spielt. Zugegeben: Als Engel ist Frau Pfeiffer auch nicht mehr taufrisch (gerade 50 geworden), aber noch immer umwerfend anzusehen. Für die unausweichlichen Alters-Fragen der Presse hat sie dann auch nur ein genervt-angestrengest Seufzen übrig. Natürlich gebe es in Hollywood nicht mehr so viele gute Rollen für reifere Darstellerinnen, aber, so Pfeiffer: „Ich bin jetzt auch nicht so unglücklich darüber, nicht ständig arbeiten zu müssen.“ Immerhin sei ihr selbst auch schon aufgefallen, „dass meine Liebhaber auf der Leinwand mit meinem zunehmenden Alter immer jünger werden.“
Regisseur Frears, bekannt und gefürchtet für seine Wortkargheit in Interviews, gab wieder sein Bestes, der Journalistenschar über die Münder zu fahren. Hier einige Auszüge: FRAGE: „Die Bilder in Biarritz erinnern mich an alte Gemälde. War das bewusst so gedacht?“ FREARS: „Wenn Sie nach Biarritz kommen, gibt es da nichts anderes. Man dreht eben das, was da ist.“ FRAGE (oder eher Feststellung): „Ihr neuer Film ähnelt sehr ihrem alten, 'Gefährliche Liebschaften'.“ FREARS: „Überhaupt nicht. John Malkovich ist nicht dabei.“ FRAGE: „Warum zeigen sie innerhalb des so sozial-politisch geprägten Berlinale-Wettbewerbs ein leichtes, romantisches Kostümdrama?“ FREARS: „Ich habe denen ja gesagt, die sollen den Film nicht nehmen! Keine Bange, das nächste Mal komme ich mit einem echt deprimierenden Film zurück.“ FRAGE: „Wie war es, in Köln zu drehen?“ FREARS: „In Köln? Wir waren in einem Studio. Das Studio war schön.“ Womit wir beim echten großen Trend der Berlinale 09 wären. Nein, es sind nicht die vielbeschworenen Golbalisierungs-Themen. Es ist die Flut internationaler Ko-Produktionen, die sich vor allem im Wettbewerb (aber nicht nur da) tummeln: Ein deutscher Regisseur (Tom Tykwer) dreht mit amerikanischen Mitteln einen Film über die Auswüchse der weltweiten Finanzmärkte („The International“). Ein britischer Regisseur (Stephen Daldry) dreht mit amerikanischem Star (Kate Winslet) ein deutsches Drama („Der Vorleser“). Ein französischer Regisseur (Bertrand Tavernier) dreht einen Thriller in den US-Südstaaten („In The Electric Mist“). Ein deutscher Regisseur (Hans-Christian Schmid) dreht mit internationaler Besetzung einen Krimi über den Bosnien-Krieg („Storm“). Ein schwedischer Regisseur (Lukas Moodysson) dreht mit multikulturellem Cast einen (sturzlangweiligen) Globalisierungs-Schinken („Mammoth“) … und so weiter. Klar, man denkt eben global, sei es nur rein themenbezogen oder knallhart wirtschaftlich. In einigen dieser Filme stecken deutsche Gelder (vor allem aus dem Förderfond der Bundesregierung), daher ist eine „deutsche Übermacht“ bei der Berlinale nicht von der Hand zu weisen – obwohl die deutsche Sprache hier, nicht nur auf dem Festival („Is this place free?“), sondern im gesamten Innenstadtbereich („Can you tell me the nearest way to the next U-Bahn?“), ein gefühltes Rabendasein führt. Aber das tut sie ja auch auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt („Oh, I have another cup of this tasty Glühwein.“). In diesem Sinne: Man sieht sich.