Der soeben ausgelegte Lärmaktionsplan hat neues Öl ins Feuer der Flughafenausbaugegner gegossen. Am Montag trafen sich rund 1500 Demonstranten zum 32. Mal im Terminal 1 und forderten lautstark: „ Die Bahn muss weg!“
Nicole Brevoord /
Man muss die Ausdauer der Lärmgeplagten bewundern. Auch zur 32. Montagsdemo erschienen wieder rund 1500 Demonstranten, die – so konnte man meinen – nochmal eine Ecke wütender waren als sonst. Anlass für den Zorn der Bürger ist der so eben vorgelegte Lärmaktionsplan, der vielen von Fluglärm geplagten Menschen wie Hohn vorkommen muss. In dem Plan werde vielen Betroffenen abgesprochen, unter einem Lärmteppich zu leben, das wurde in Ansprachen deutlich.
Betrachtete man am Montag die Protestschilder und lauschte man den Rufen, so wurde eins deutlich: von der Politik erwarteten die Demonstranten nicht mehr viel. So bleibt der Frust und dem wird immer montags um 18 Uhr im Terminal 1 Luft gemacht. Ausgestattet mit Ratschen, Tröten, Trillerpfeifen, Trommeln sowie Kochtöpfen und Kochlöffeln beginnt um Punkt 18 Uhr ein ohrenbetäubendes Getöse. Die Mitarbeiter am Flughafen tun einem leid, letztlich haben sie den Flughafenausbau nicht zu verantworten, müssen sich aber dennoch mit Gehörschutz vor dem Riesenlärm retten. Viele Protestler sind da besser ausgestattet: sie tragen Ohrschoner, wie man sie sonst auf der Baustelle trägt. Interessanterweise verbünden sich viele Demonstranten mit den aktuell streikenden Flugbegleitern. Auf einigen Plakaten stand: „Solidarität gegen Leiharbeit & Sklavenlöhne“.
Die Demonstranten kommen längst nicht nur aus Frankfurt, auch wenn man unter den Protestschildern auch Ortsschilder von Niederrad und Sachsenhausen sieht. Es ist das ganze Rhein-Main-Gebiet vertreten: Von Mainz-Bretzenheim über Hochheim bis zum Kinzigtal.
„Der Lärmaktionsplan bemüht sich den Eindruck völlig normaler Zustände zu erwecken“, sagt Joy Hensel, Lärmschutzbeauftragte aus Hattersheim. Die Dame hat ihren Platz am Mikrofon auf dem Treppenaufgang im Terminal 1 eingenommen und ermuntert die Zuhörer Eingaben zu machen. „Konfrontieren Sie das Präsidium mit der Realität seit dem Oktober 2011!. Die Wahrheit wird nämlich verschleiert. Es wird immer lauter!“ Hensel spricht über die Betroffenen, denen das Nachtflugverbot nichts nütze, weil sie regelmäßig schon um 5 Uhr geweckt würden. Auch die ganzen Ausnahmeflüge würden nirgendwo erfasst, seien aber nichtsdestotrotz eine Belastung. „Der Plan bezieht sich auf Messungen aus dem Jahr 2005!“ Und dann zeichnet Hensel ein Schreckensszenario: „ Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Die Pläne für eine vierte Bahn liegen längst in der Schublade.“ Daraufhin skandierten die Demonstranten immer und immer wieder: „Die Bahn muss weg“ gefolgt von ohrenbetäubendem Gepfeife, Geratsche und Getröte.
Mitten unter den Demonstranten entdecken wir auch Janine Wissler an der Seite von Hermann Schaus (beide Die LINKE). „Ich bin seit zwei Wochen bei der Demonstration dabei. Ich selbst wohne in Bockenheim, da ist es auch lauter geworden, auch wenn das kein Vergleich ist zu Sachsenhausen“, sagt die Politikerin, die vor Kurzem bei der Oberbürgermeisterwahl kandidiert hatte. Die 31-Jährige hält ein Plakat hoch auf dem sie fordert: „Stilllegung der Nordbahn. Sofort!“. Ob sie die Forderung denn für realistisch halte, wollen wir wissen. „Man muss doch sehen, was die Alternative ist. Die Alternative ist, dass man ganze Ortschaften umsiedeln muss. Die Menschen werden wegziehen, viele Gebiete werden verwaisen. Rein rechtlich ist die Schließung der Nordbahn möglich. Man muss doch bei der Lärmquelle ansetzen und das ist nun mal die Landebahn.“