This is a man's world

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Jan-Otto Weber /

Material Grundsteinlegung

Es ist flirrend heiß. Der Geruch von Betonstaub liegt in der Luft. Halbnackte Bauarbeiter lassen Kreissägen kreischen, verlegen Eisenmatten, bewegen schweres Baugerät. Eine rohe Umgebung, definitiv nichts für Schattensucher, ein Ort, an dem selbst Hartgesottene mürbe werden: Die Baustelle auf dem Eintracht-Vereinsgelände am Riederwald. Doch einer widersteht aufrecht der unbarmherzig brennenden Sonne. Lässig, blond, braungebrannt, im feinen Anzug mit steifem Hemdskragen, seine stahlblauen Augen blitzen, passend ertönt aus den Lautsprechern der Mikrofonanlage "This is a man's world" von James Brown: Eintracht-Präsident Peter Fischer. Er genießt seinen Auftritt, denn das ist sein Tag. Der Tag der Grundsteinlegung des neuen Sport- und Leistungszentrums der Sportgemeinschaft Eintracht Frankfurt.


Adler fliegtDer Adler fliegt schon wieder am Riederwald

Es ist tatsächlich eine Männerriege, die sich zu diesem "historischen Anlass" an der Gustav-Behringer-Straße eingefunden hat, sieht man von den Pressedamen des Vereins und den Kamerafrauen von hr und Rhein-Main-TV einmal ab. Staatsminister im Innenministerium Boris Rhein ist aus Wiesbaden in seine Heimatstadt gereist, um Sportminister Volker Bouffier zu vertreten. Sein Nachfolger als Wirtschaftsdezernent, Markus Frank, der auch für den Sport in der "Sportstadt Frankfurt" verantwortlich zeichnet, ist gekommen, Heribert Bruchhagen als Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG, das gesamte Präsidium, der Verwaltungsrat, der Ehrenrat und viele viele mehr. Fischer solo hochSogar der neue Profi-Trainer Michael Skibbe hat es sich nicht nehmen lassen, die Pläne der neuen Talentschmiede zu begutachten. Sie alle lauschen Präsident Fischers Worten, die glorreiche Zeiten der Vereinsgeschichte beschwören, um die Bedeutung des Ereignisses herauszustellen.

40.000 Zuschauer hätten sich in den Rängen und Büschen um den Rasenplatz gedrängt, als 1952 die ägyptische Nationalmannschaft zur Einweihung des nach dem Krieg wieder aufgebauten Stadions mit 4:1 gegen die Eintracht gewann. Weltrekorde im Hammerwerfen und über 400-Meter seien Anfang der 70er am Riederwald aufgestellt worden. Und nun werde erneut ein Grundstein gelegt. Ein Projekt, für das er zu Beginn seiner Amtszeit noch belächelt worden sei, das wichtigste in der Vereinsgeschichte, bekomme einen weiteren Meilenstein.

UrneMen at work

Nach dieser emotionalen Vorrede packt es auch Boris Rhein. Man solle es ihm bitte nachsehen, da er als Vertreter des Ministeriums ja für alle hessischen Städte und Gemeinden gleichermaßen zuständig sei. "Aber wenn ein Frankfurter Staatssekretär bei der Grundsteinlegung des Frankfurter Traditionsvereins schlechthin dabei sein kann und erst wenige Tage zuvor der Frankfurter Adler dem Offenbacher Pleitegeier gezeigt hat, wo der Barthel den Most holt, dann ist es umso schöner."

Baustelle SportstadtDie Baustelle "Sportstadt Frankfurt" - scheinbar kein gutes Pflaster für Offenbacher

Ein Spruch, den Offenbachs Sportkreisvorsitzedner Peter Dinkel gar nicht gerne hört. Das könne er nicht machen, raunt er Rhein zu, als dieser nach seiner Rede wieder an seinen Tisch zurückkehren will. Woraufhin Rhein gestenreich und durch aufmunterndes Schulterklopfen versucht, den Ausbruch des Offenbacher Sportkameraden möglichst diskret zu halten. Scheinbar sind Rheins Beschwichtigungsversuche nicht allzu nachhaltig, denn nach Beendigung des offiziellen Teils verschwindet Dinkel ohne weitere Verabschiedungen von der Baustelle. Der Bemerkung, dass sich Rhein damit keine Freunde in Offenbach gemacht habe, entgegnet der Staatsminister nur: "Dort hatte ich noch nie welche. So einen Spaß unter sportlichen Rivalen. Das müssen die vertragen können."

Die Welt des Sports, es ist eben eine harte Welt, eine Welt für Männer.


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