Wenn Sie demnächst kuriose Aktionen in der Stadt sehen, bei denen sie sogar mitmachen dürfen, dann ist das Kunst und Bestandteil von Playing the City. Ein Festival der Schirn Kunsthalle, das heute beginnt.
Grit Weber, Nicole Brevoord /
Auch in diesem Sommer veranstaltet die Schirn mittlerweile zum dritten Mal ihr Festival, das Kunst nicht im Ausstellungsraum sondern mitten in der Stadt passieren lässt. Insgesamt werden fünfzehn Künstlerinnen und Künstler teilnehmen. Sie haben spezielle Werke erarbeitet, die am besten auf der Straße und inmitten des normalen Alltags funktionieren, aber immer auch die Mitarbeit des Publikums provozieren.
Dass die meisten der Arbeiten in jenem zauberhaften Moment der Interaktion erst entstehen werden, macht die Sache umso spannender. Wir haben in der Redaktion daher auch nur bruchstückhafte Informationen über die gezeigten Werke. So wissen wir, dass Upper Bleistein, die Mainzer Künstlergruppe bestehend aus Laura Eschweiler, Lisa Vogel und Judith Leinen (Foto, v.l.) den großen Betontisch vor der Kunsthalle mit ihrer ausufernden Skulptur endlich in ein sinnvolles Gebäude verwandeln und auf dessen Dach ein Gewächshaus für allerlei Stadtpflanzen installieren werden. Außerdem ist uns für den 16. August schon ein Demonstrationsaufruf von Jacob Dahlgren eingegangen, der unter dem Motto „Nieder mit den Parolen“ ein prägnantes Zeitbild abgeben wird, wenn er alle Mitmacher mit individuell gefertigten Transparenten durch Frankfurt ziehen lässt, die die Kunst anstelle der Politik wirkmächtig werden lassen. Der Demonstration geht ein Plakatworkshop voraus, zu dem sich, wie zu allen weiteren reizvollen Aktionen, jeder eingeladen fühlen darf.
Guerillaaktivitäten werden ebenso geboten. Die Münchner Guerilla-Knitting-Gruppe Kommando Agnes Richter veranstaltet etwa einen offenen Strickworkshop im Frankfurter Museum für Kommunkikation und bestrickt mit anderen Workshopteilnehmern einen besonderen Ort in der Innenstadt.
Für den Markt der Freiweillligen werden sogar noch Freiwillige gesucht. Der Schweizer Künstler San Keller ermöglicht eine Begegnung mit freiwilligen, unbezahlten Standbetreuern am Liebfrauenberg und läßt die Menschen dort nach freiem Willen handeln und den Kunden Freiweilligkeit verkaufen.
Muss man gesehen haben, um es zu verstehen. Die genauere Daten erfährt man auf der Homepage, beziehungsweise im Blog. Dass Kunst schmecken kann, das beweist ein Künstler heute Abend bei der Eröffnung von Playing the City 3 ab 19 Uhr in der Schrin. Im Auftrag von Tim Etchells hat der italienische Eismacher Osvaldo Castellari vier Begriffe des zeitgenössischen Kunstdiskurses in vier unterschiedliche Geschmacksrichtungen übersetzt. So darf man als Besucher die Geschmacksrichtungen Body, Archive, Spectacle und Memory probieren.
Alle Informationen zum Festival gibt’s auf der Webseite und in der Aktionszentrale der Schirn.
>> Playing the City Schirn Kunsthalle, 11. bis 25. August