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Open Ohr-Festival als Livestream

Nah bei der Familie

So wie auf dem Bild werden wir dieses Pfingsten das Open Ohr nicht erleben können. Die Freie Projektgruppe hat keine Mühen gescheut, das Festival 2021 nicht ausfallen zu lassen und es zumindest als Livestreams anzubieten.
Wer sich dieses schöne Stimmungsbild im familiären Rund vor der Drususstein-Bühne oben auf der Seite anschaut, den befällt Wehmut. Wie viele schöne, intime Konzerte hat man da schon im oberen Teil der Zitadelle in Picknick-Atmosphäre erlebt, flanierte von der Hauptbühne mit den bekannteren Acts vorbei am vielfältigen gastronomischen Angebot den Hügel hinauf. Fünfundvierzig Mal traf man sich seit 1975 auf dem Jakobsberg, nicht wenige verbrachten alle Pfingstfeiertage über das verlängerte Wochenende auf dem Gelände, um das Open Ohr als „thematisch orientiertes Jugendkulturfestival mit Gesprächsforen, Workshops, Kabarett und Livekonzerten“ – wie es bei Wikipedia nachzulesen ist – zu erleben.

Und dann konnte das 46. Open Ohr Festival im vergangenen Jahr coronabedingt nicht stattfinden. Schon in der Pressemitteilung zur Absage am 26. März 2020, die allen Beteiligten in der Seele wehtat, formulierte die Freie Projektgruppe auch gleich das Versprechen: „Auch wenn es gerade schwerfällt, versuchen die Projektgruppenmitglieder mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken und sich dem nächsten Open Ohr Festival zu widmen.“ Und so ging man „hoffnungsfroh in die neue Saison“. Nach vielen Sitzungen und Diskussionen wurde beschlossen, das 47. Open Ohr Festival dem Thema Familie zu widmen und ersann das Motto „Lasst uns bunte Banden bilden!‟.

„Es gibt sie in allen Farben, Formen und Größen: blau/rosa/regenbogenfarben, groß/klein, arm/reich, alleinerziehend/patchwork, hetero/homo, reingeboren/rausgefischt. Wenn von Familie die Rede ist, haben wir die unterschiedlichsten Bilder und Perspektiven, Herkünfte und Ziele, aber schlussendlich wirklich alle etwas zu sagen. Familie – da kommen wir alle her“, heißt es dazu im Thesenpapier, das in voller Länge auf der Website des Festivals nachzulesen ist. Auch wenn es sicher nicht einfach war, sich immer wieder mit der pandemischen Realität mit all ihren Unwegbarkeiten konfrontiert zu sehen, gingen die Planungen unvermindert weiter.

Doch die Infektionszahlen stiegen stetig, so „dass wir es nicht verantworten können, ein Festival mit Besucher:innen auf dem Gelände stattfinden zu lassen, so sehr wir es uns auch wünschen‟, wie Projektgruppenmitglied Konrad Herfurth betonte. Aber kein Open Ohr stattfinden zu lassen war keine Option nach der langen Zeit des Kulturlockdowns und der Kontaktbeschränkungen. Also ersann man in intensiven Wochen des Umplanens die Streaming-Variante des Open Ohrs. „Dafür geben wir alles, um den Zuschauer:innen das Open Ohr-Erlebnis nach Hause zu bringen: mit einem abwechslungsreichen Programm, spannenden Diskussionsrunden und mit Möglichkeiten für alle, sich zu beteiligen“, erklärt Laura Acksteiner von der Projektgruppe.

Passend zum Thema wurden Anne Spiegel, die Familienministerin in Rheinland-Pfalz und Dr. Detlev Lück aus dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Mainz eingeladen. Das WishmobTheater ist genauso dabei wie Vincent Doddema vom Staatstheater Mainz. Die Slam Poetin Teresa Reichl versteht sich als semiprofessioneller Scherzkeks, die Kölner Sängerin Melane will als Aktivistin mit ihrer Musik „Hoffnung geben und heilen“. Stereo Naked genügen ein Banjo und ein Kontrabass zum Harmoniegesang für ihren Indie-Folk, die Liedermacherin Fee Badenius kommt im Duo mit Stefan Ebert und der in Berlin lebende Kanadier Sam Vance Law hat nach seinem Debütalbum „Homotopia“ Neue Deutsche Welle-Klassiker aufgenommen. „Neue Männer braucht das Land“ bekommt aus dem Mund des Schöpfers von „Gayby" und „Prettyboy" einen vollkommen anderen Dreh.

47. Open Ohr Festival, Mainz, Zitadelle, 22.5. ab 15.45 Uhr bis 23.5., 22 Uhr als Livestream, Tickets unter www.openohr.de
 
Fotogalerie:
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14. Mai 2021, 09.31 Uhr
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
 
 
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