Im Frankfurter Liebieghaus wurde zum ersten Mal ein Kunstobjekt der Skulpturensammlung vollautomatisch digitalisiert. In nur wenigen Minuten wird in einer Scanstraße ein 3D-Modell der Skulptur erstellt.
jst /
Ein berühmtes Beispiel klassischer Bildhauerkunst, der „Apoll von Belvedere“, steht dem Liebieghaus künftig auch als digitales 3D-Modell zur Verfügung. Eine weltweit einzigartige, mobile Scanstraße vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung digitalisiert vollautomatisch Kunstobjekte. Über 80 Aufnahmen aus den unterschiedlichen Perspektiven haben ein wirklichkeitsgetreues 3D-Modell der über 500 Jahre alten Skulptur des Bildhauers Pier Jacopo Alari Bonacolsi erzeugt.
Bisher war die Digitalisierung von Kunstobjekten sehr teuer und vor allem zeitaufwendig. Die Scanstraße CultLab3D erfasst die Skulptur in wenigen Minuten und revolutioniert somit den gesamten Digitalisierungsprozess von Artefakten. Die dadurch entstandenen Modelle, die nun dauerhaft archiviert sind, sollen nun für Forschung, Dokumentation und Vermittlung eingesetzt werden. Dabei werden nicht nur die Geometrie und Textur der historischen Skulpturen erfasst. Auch ihre optischen Materialeigenschaften wie Reflexions- und Absorptionsverhalten können fotorealistisch abgebildet werden.
„Die Scanstraße ist eine ideale Anwendung von Hochtechnologie im Museum, die neben der langfristigen Dokumentation der Objekte auch einen uneingeschränkten globalen Zugang zu kunsthistorischen Inhalten und Forschungsergebnissen digital eröffnet“, so Max Hollein, Direktor der Liebieghaus Skulpturensammlung.
Die Artefakte durchlaufen bei CultLab3D auf einem Fließband spezielle Scanbögen und werden dabei vollautomatisch von allen Seiten erfasst. In einem zweiten Schritt schließen an Roboterarmen montierte Scanner noch vorhandene Lücken des bis dahin rekonstruierten virtuellen 3D-Modells. Das fertige 3D-Modell kann im Anschluss mit weiteren Daten wie Informationen zum Entstehungszeitraum oder zum Künstler verknüpft werden.