Guten Tag, Herr Bundesminister

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Nils Bremer /

P1100572Gestern Abend lud Markus Frank,der Wirtschaftsdezernent der Stadt in die Long Island Summer Lounge. Die Lounge liegt in auf einem der hässlichsten Parkhäuser Frankfurts, und umso überraschter ist man, wenn man dann endlich oben auf dem Dach steht, vor sich die Skyline, rechts ein kleiner Pool, links eine ewig lange Bar. Ein bisschen traurige Gestalten wanken einem entgegen, weil geschlossene Gesellschaft ist, sie müssen zurück in die Betonhölle. Oben dann die üblichen Anzugträger, die Kreativen und Lokalpolitiker, man könnte auch sagen: alle sind da, die man in den nächsten Wochen bei den nächsten Sommerempfängen auch wiedersehen wird. Frankfurts Tourismus-Patron Thomas Feda bekennt freimütig, dass er diesen Blog liest, ihn oder seine Autoren aber zu grün findet, weil sie das Tagfeuerwerk am Museumsuferfest wegen seines Feinstaubs und der Umweltbelastung verdammt haben. Das ist natürlich weit übertrieben. Außerdem muss ja irgendwer das Museumsuferfest kritisieren, lesen Sie mal einen Bericht in Frankfurter Rundschau darüber oder in der FNP, da glaubt man ja, die wären von den Chinesen gleichgeschaltet worden! Aber genug der Rechtfertigungen. Markus Franks Vorgänger Boris Rhein stößt zur Runde und erzählt, dass er Frankfurt ganz schön vermisst, jetzt wo er als Innenstaatssekretär in Wiesbaden sitzt. Die Frage, ob er dann als Oberbürgermeisterkandidat der CDU 2013 zurückkehrt weist er brüsk zurück, nur um hinzuzufügen, dass er 2011 Planungsdezernent Edwin Schwarz beerben will. Dann lacht er, man weiß eben nie, ob er sowas ernst meint. Im Offenbacher Sportkreis verstand man seine Ironie neulich schon mal nicht, als er bei einem Termin bei Eintracht Frankfurt über die Kickers herzog. "Da musste ich zu Staube kriechen", sagt Rhein. Schließlich hält Markus Frank seine Eröffnungsrede und sagt, dass es eine Fortsetzung dieses Events geben wird, wenn es gut läuft. Es läuft gut. Alle betragen sich, jeder kennt jeden.
Nur ich kenne Rudolf Scharping nicht. Sechs Stockwerke bin ich mit ihm allein im Aufzug des Parkhauses zur Party gefahren und habe gedacht: ich kenn den, wenn ich jetzt seinen Namen wüsste, könnte ich ihn ansprechen. Kein Bart, keine Brille, kein Fahrradhelm und die Gräfin kam erst später zum Empfang. Es war wirklich schwer! Außerdem wirkte er etwas aufgedunsen... aber das sind alles Ausreden, nur Ausreden. Es war eigentlich sonnenklar! Am Eingang sagte er seinen Namen und zwei Sekunden später stand Markus Frank neben ihm und begrüßte ihn überschwenglich mit "Guten Tag, Herr Bundesminister". Das sind so die kleinen Niederlagen im Leben eines Journalisten. Aber ich wollte ja mit den Rechtfertigungen aufhören. Es war, alles in allem, ein sehr schöner Abend.


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