Die Eröffnung des englischen Bücherschranks war ein hoch besetzter Termin. Nur die Grünen im Ortsbeirat vermissten ihre Einladung und beschuldigen nun den Oberbürgermeister, das verbaselt zu haben. Zu Unrecht, allerdings.
Nils Bremer /
Andreas Laeuen findet in seiner in der Nacht zum Sonntag versandten Mail deutliche Worte. "Offenbar ist der Oberbürgermeister derart in Bedrängnis, dass er es für nötig hält, von ihm nicht bezahlte Bücherschränke an sich reißen zu müssen, um sein Image aufzupolieren“, schreibt der Fraktionssprecher der Grünen im Ortsbeirat 1. Dies sei ein bislang einmaliger und empörender Vorgang im Umgang mit Ortsbeiräten, die das alleinige Entscheidungsrecht über Standorte solcher Einrichtungen haben.
Hintergrund: Am vergangenen Donnerstag wurde der erste englische Bücherschrank der Stadt eröffnet - neben Oberbürgermeister Peter Feldmann kam unter anderem auch sein Parteigenosse Hilmar Hoffmann für ein Grußwort, langjähriger Kulturdezernent der Stadt und engagierter Förderer des English Theatre, vor dessen Türen sich der neue Schrank nun befindet. Die Finanzierung stellte der Ortsbeirat in der Tat in Aussicht, das English Theatre ging in Vorleistung, um den Schrank noch rechtzeitig vor der Weihnachtszeit eröffnen zu können. Und der Ortsbeirat? Im Büro des Oberbürgermeisters heißt es am Sonntag: Die Einladung ging nicht von uns aus, sondern vom English Theatre. Dann ruft auch noch Peter Feldmann durch: "Als ich die Einladung bekam, habe ich sofort zugesagt. Das ist eine großartige Initiative, die breite Unterstützung verdient", so der Oberbürgermeister.
Und die Einladung an die Grünen im Ortsbeirat? Die gab es tatsächlich, weil das English Theatre beim Bücherschrank in Kontakt mit Jessica Purkhardt war. Die Grünen-Politikerin sitzt nicht nur im Stadtparlament, sie ist auch Abgeordnete im Ortsbeirat. Und über sie wurden auch die Grünen eingeladen. Auch die Vorsitzende des Kulturausschusses, Heike Hambrock, war geladen. Die Info gelangte aber wohl nicht bis zu Andreas Laeuen. Der poltert nun, dass „dem Oberbürgermeister aus dieser im Ortsbeirat überparteilichen und unumstrittenen Angelegenheit eine kleinliche, peinliche und selbstdarstellerische Posse geraten“ sei – und stellt gar die Finanzierung des Schranks in Frage. English-Theatre-Intendant Daniel Nicolai hofft nun, dass sich die parteipolitischen Wogen in den kommenden Tagen wieder glätten. Die Einweihung sei ein beeindruckender Startschuss für den Bücherschrank gewesen. "Auf keinen Fall wollte das Theater jemanden übergehen oder beleidigen", sagt er.