Seit 2016 baut das Jüdische Museum Frankfurt sein digitales Angebot aus. Nun hat das Museum besondere Vermittlungsangebote entwickelt, die sich mit der Corona-Krise auseinandersetzen.
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Das Jüdische Museum Frankfurt setzt bereits seit einigen Jahren auf ein digitales Angebot und baut dieses seit 2016 aus. Seit der Schließung des Museums durch die Corona-Pandemie wurde die digitale Kommunikation nun noch einmal intensiviert und eine Reihe von Beiträgen entwickelt, in denen bestimmte Aspekte der jüdischen Kulturgeschichte mit Blick auf die aktuelle Krise thematisiert werden sollen.
In einer ersten Beitragsreihe ging es bereits um das Thema „Hygiene und rituelle Reinheit in der jüdischen Tradition", eine zweite mit dem Schwerpunkt „Krankheit und Medizin in Tora und Talmud“ soll folgen. Kinder und Familien können am Schattentheater-Wettbewerb teilnehmen, bei dem Kreativität gefragt.
Die neue audiovisuelle Reihe „Tachles – Videocast zur Krise“ setzt sich mit der aktuellen Corona-Krise auseinander und spielt Erfahrungen, die damit einhergehen, durch. Mirjam Wenzel, die Direktorin des Jüdischen Museums, widmet sich Fragen, die aufgrund der aktuellen Situation aufkommen: Was sind die Folgen der Corona-Krise für Museen im Allgemeinen und für Jüdische Museen im Besonderen? Ist Pessach eine Krisenerzählung oder eher eine Krisenerfahrung? Verändert die Krise das Verständnis von Demokratie in Europa? Dazu spricht sie mit Persönlichkeiten, wie dem Lyriker Max Czollek, der Politikerin und Psychotherapeutin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg oder dem Publizisten Michel Friedman. Der Videocast kann auf dem Youtube-Kanal des Jüdischen Museum Frankfurt abonniert werden.
Darstellungen der Familie Anne Franks sowie Teile der Sammlung des Museums sind auf der Plattform Google Arts & Culture zu finden. Die digitale Form ermöglicht einen zeit- und ortsunabhängigen Einblick in das ebenfalls geschlossene Museum Judengasse. Darüber hinaus ist anlässlich des 100. Geburtstags von Marcel Reich-Ranicki eine Online-Ausstellung über den berühmten Literaturkritiker geplant.
Darüber hinaus hat das Museum gemeinsam mit dem Historischen Museum bereits die App „Unsichtbare Orte“ entwickelt. Sie führt zu Orten der Migration im Frankfurter Stadtraum, die auch ohne Stadtspaziergang vom Sofa aus entdeckt werden können. In Form von Audioaufnahmen, Fotos und kleinen Texten werden persönliche Geschichten von Personen oder Gruppen erzählt, die nach 1945 nach Frankfurt eingewandert sind und den Alltag in der Stadt prägten, heute jedoch weithin unbekannt sind.