Amsterdam Klezmer Band in der Kapp

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Detlef Kinsler /

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Es war eine spontane Entscheidung. Gegen einen Abend zuhause und TV (keine Ahnung, was lief, aber langweiliger als Deutschland-Norwegen hätte es kaum werden können), gegen die Puppetmastaz, Berliner Hip-Hoo und Handpuppen in der Brotfabrik (und nerviger Busfahrt nach Hausen durch die ganze „Nordi“), für die Amsterdam Klezmer Band, die Batschkapp und einen geschätzten Fußweg von 12 Minuten. Luft schnappen ist immer gut.

Die Amsterdam Klezmer Band, eigentlich ein Brotfabrik-Thema, trotzdem gut besucht in der großen Kapp. Am Eingang begrüßt mich schon H., ein Veranstaltungsprofi. Eine Stunde zu früh gekommen (man hat die Kapp-Zeiten nicht mehr so parat). Die hat sie aber genossen von der „Aussichtsplattform“ vor der Theke. „Ein Panoptikum aus Alt und Jung. Man sieht genau, wer früher mal eine Hippie war.“ Tatsächlich ein bunt durcheinander gewürfeltes Publikum. Bukovina-Club erprobte Youngsters (schließlich veröffentlicht die AKB auf Shantels Label), Menschen aus allen in der Band beteiligten Ethnien (man spricht auch russisch), echte „Oldies“. Nach vorne an die Bühne durchgeschlagen, stehen da auch tatsächlich ein paar Bankreihen.

akb03_kinsler1Dafür, dass die Herrschaften hier Record Release Party feiern, wirkt das anfangs auf der Bühne (und erstaunlicherweise weniger im Saal – die Leute sind feierwütig) sehr statisch. Das ist mehr Bewegung im Spiel jedes einzelnen Instrumentalisten, nur der Saxophonist, der hier – anders als im klassischen, traditionellen Klezmer – die Lead-Rolle übernommen hat, bewegt sich. Ein Tänzer wie Dirk Bach, hihi. Äußerst sympathisch. Aber die Burschen sind nicht so dröge, wie sie zunächst erscheinen. Da hat jeder seine Rolle, vor allem der Akkordeonspieler. Ob der je ein Bier trinkt? Spielt wie ein Teufel und wirkt dabei vollkommen unbeteiligt. „Ein Eisblock, aber nur äußerlich“, wird das Publikum später aufgeklärt.

Dafür, dass die Jungs mal Straßenmusik gemacht haben, wirkt das zunächst sehr kontrolliert, klar weit entfernt vom akademischen Klezmer eines David Orlowsky, aber – gerade in der sehr sauberen Bläsersätzen – sauberst arrangiert und mit hr Big Band-Appeal. akb02_kinslerAber das verliert sich mit Fortdauer des Konzertes, Ausflügen tiefer auf den Balkan und in die Türkei. Die Musik hat viele Facetten. Das Banjo-Feature des Kontrabassisten bringt den Bruch. Danach ist mehr Lebendigkeit auch on stage angesagt während das Fanvölkchen eh schon tanzt und hüpft. Der Cymbal-Spieler, ein Charakterkopf, tritt immer öfter als Sänger in den Vordergrund, und bringt mit seinen Liedern nicht nur die ukrainischen Landsleute in Rage. Wie schade, das mir das Ich-lass-mich-jetzt-einfach-mal-gehn-Gen fehlt, um bei einer Musik, die mich eigentlich nicht wirklich berührt (dabei kommen meine Vorfahren aus dem Sudentenland – wohl nicht weit östlich genug...), mitzumachen und ganz sinn-, aber nicht zwecklos Spaß zu haben. Tja.

Hinterm Mischpult treffe ich dann einen völlig begeisterten Gregor Praml von Mi Loco Tango. Und da sitzt auch der fußkranke Manager von Stefan Hantels Label Essay Recordings, Jean Trouillet und murmelt was von „haste schon geklatscht?“. Verwechselt er mich mit Jens Prewo oder kommt man als Blogger automatisch in den Ruf und Ruch eines Baby Schimmerlos? „Emil Mangelsdorff hat sich auf die Gästeliste setzen lassen! Wahrscheinlich sein erstes Mal in der Batschkapp.“ Ich hab ihn nicht mehr gesichtet, um nachzufragen. Aber sein Name (mit großem Anhang) war tatsächlich auf der Gästeliste ausgestrichen. Und was sagt uns das über die Amsterdam Klezmer Band?

Text/Fotos: Detlef Kinsler


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