Nachdem die Frankfurter Hauptschule sehr erfolgreich die Medientrommel schlug, enthüllte sie gestern in der Ausstellung "passagen" im Atelierfrankfurt ihre Arbeit aus 3000 Liebesschlössern. Was hat sie sich dabei gedacht?
Tamara Marszalkowski /
Wer sich fragt, was man so mit Liebesschlösser alles anstellen kann, ist seit Donnerstagabend etwas schlauer. Die Liebste für immer an sich binden? Ein Vorhängeschloss an die Gefühle anbringen, damit sie niemand stiehlt? Oder ein Keuschheitsgürtel, der die körperliche Ehre und Einzigartigkeit der Beziehung schützt: Das alles fand die Künstlergruppe "Frankfurter Hauptschule" viel zu kleinbürgerlich. Also rief sie öffentlich dazu auf, die Liebesschlösser am Eisernen Steg zu entfernen, um sie einschmelzen zu können und etwas neues daraus zu schaffen.
Manch einer denkt da vielleicht an einen Vorschlaghammer, mit dem man, wie in dem Lied der Band "Wir sind Helden", das Denkmal der Liebe zertrümmern kann. Oder auch an eine Säge, um die Fesseln der "patriarchalen Besitzansprüche in romantischen Zweierbeziehungen" niederzureißen. Doch ganz anders kam es. Nachdem die Kuratoren Michaela Filla Raquin und Raul Gschrey die Ausstellung "passagen" in der Galerie con[SPACE] im Atelierfrankfurt eröffneten, rätselten die meisten Besucher erst einmal wild herum. Welche Arbeit sollte nun aus besagten 3000 Schlössern bestehen? Schnell zählte man 1 und 1 zusammen: "Stahlbad ist 1 Fun" heißt die Aktion. Im Ausstellungsraum ist eine Badewanne zu sehen. Gefüllt mit Eiswürfeln, Bier und Sekt, stand in der hauptschultypischen Schrift "Drink = Like" außen drauf. Die erste Runde von Getränken ging also auf die Hauptschule. Die Badewanne leerte sich, langsam aber stetig.
Was das wohl nun zu bedeuten hatte, fragte sich so manch ein Besucher. Hatte sich die Frankfurter Hauptschule nun rein gewaschen? Frei von der Sünde, die Herzen vieler Liebenden gebrochen zu haben? Oder wollen sie darin ihre Weste weiß waschen? Schließlich gibt es einen Juristen, der sagt, das Entfernen der Schlösser sei rechtswidrig. Und natürlich andere Juristen, die das bestreiten. Vielleicht hat es sich die Frankfurter Hauptschule auch einfach in der Badewanne bequem gemacht. So ein Schaumbad kann ja durchaus auch romantisch sein.
Was fernab der immerhin medial sehr wirksamen Aktion noch zu sehen ist: Agata Pietrzik hat einen Tag lang die Gewohnheiten eines Freundes dokumentiert, Daniel Djamo setzt sich mit seiner Mutter über eine eigentlich geplante Intervention im öffentlichen Raum auseinander, Girmachew Getnet ist mit einer Fahne durchs Ostend marschiert, Christian Engels wiederum zeigt den gesprengten Turm der Universität in Bockenheim.