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Frankfurter Rundschau

„Ein Tarifvertrag muss her, sonst geben wir keine Ruhe mehr!“

Am Freitag, 1. Dezember, streikten rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau erneut. Sie fordern bessere Arbeitsverhältnisse und höhere Löhne, um ihren Lebensunterhalt in Frankfurt bestreiten zu können.
Update, 15.30 Uhr: „Ein Tarifvertrag muss her, sonst geben wir keine Ruhe mehr!“ – Diesen Spruch skandierend lief der Protestmarsch FR-Beschäftigter am Freitagmorgen vom Frankfurter Südbahnhof zum Gewerkschaftshaus, wo er vom DGB-Regionalgeschäftsführer Frankfurt/Rhein-Main, Philipp Jacks, empfangen wurde. Dieser habe den Streikenden für ihren Widerstand gedankt und betont, sie setzten sich nicht nur für die eigenen Belange ein: „Ihr kämpft für eine bessere Welt für euch, aber auch für eine bessere Welt für alle“. Für die Demokratie und die Meinungsvielfalt sei die Frankfurter Rundschau unverzichtbar.

Auch DJV-Bundesvorsitzender, Mika Beuster, sei der Meinung, dass Journalistinnen und Journalisten „eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe“ leisteten. Diese Arbeit müsse fair entlohnt werden und die beste Grundlage dafür seien Tarife. Etwa 50 der insgesamt rund 85 FR-Beschäftigten unterstützten den Streikaufruf. Darüber hinaus solidarisierte sich auch die Linken-Fraktion im Hessischen Landtag und die Frankfurter Societätsdruckerei, die Ende 2024 ihren Betrieb einstellt, mit der FR.

50 FR-Beschäftigte bestreiken am Freitagmorgen die Geschäftsführung

Erstmeldung, 11 Uhr: Die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben die Beschäftigten der Frankfurter Rundschau (FR) am Freitag, 1. Dezember, zum eintägigen Warnstreik aufgerufen. Um 9.30 Uhr gab es eine Kundgebung vor den Räumen der FR in der Hedderichstraße 49 und ab 10.30 Uhr dann eine Streikversammlung im DGB-Haus in der Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77. Die Beschäftigten kämpfen bereits seit acht Monaten für bessere Arbeitsverhältnisse und höhere Löhne.

Am 17. August 2023 waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau in die Offensive gegangen und hatten in einem Offenen Brief an die Geschäftsführung des Ippen-Verlags die Rückkehr in eine tarifliche Bezahlung gefordert. Das Schreiben war mit „Der Aktivenausschuss der FR“ unterzeichnet. Nach der zweiten Verhandlungsrunde am 22. August sei zwar kein Angebot für einen Tarifvertrag vorgelegt worden, allerdings würden die Gehälter für einen „Teil der Beschäftigten der FR Redaktion GmbH einseitig angepasst“ – diese forderten weiter Tarif-Bezahlung von Ippen. Der Arbeitgeber habe die Verhandlungen nach zwei Terminen einseitig abgebrochen. Es folgten zwei Proteste in Form von sogenannten „aktiven Mittagspausen“.

Streik bei der FR: Mitarbeitende können sich ihren Lebensunterhalt kaum leisten

Die Lohnerhöhung, die Geschäftsführer Max Rempel in Folge von öffentlichem Druck im September verkündet habe, fange nicht einmal die Reallohnverluste der vergangenen Jahre auf, gelte nicht für alle Beschäftigten und biete keine regelmäßige Anpassung der Löhne an zukünftige Inflation, heißt es in einer Pressemitteilung des Aktivenausschusses am Freitag, 1. Dezember. Diese Situation sei nicht hinnehmbar.

Vor allem junge Kolleginnen und Kollegen könnten es sich kaum leisten, im Rhein-Main-Gebiet ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Seit Jahren würden immer wieder vielversprechende Talente sowie altgediente Redakteurinnen und Redakteure die Rundschau verlassen, weil sie diese Bedingungen nicht mehr akzeptieren könnten. „Eine Zeitung, die sich auf die Fahnen schreibt, für Gerechtigkeit einzustehen, sollte andere Ansprüche an sich haben.“

„Eine Zeitung, die sich auf die Fahnen schreibt, für Gerechtigkeit einzustehen, sollte andere Ansprüche an sich haben.“

Leider sei die Geschäftsführung weiterhin nicht bereit an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie verweise unterdessen darauf, dass in der gesamten Ippen-Gruppe grundsätzlich keine Tarifverträge geschlossen würden. Allerdings gäbe es – nach Informationen des Aktivenausschusses – durchaus Zeitungen im Ippen-Verlag, beispielsweise in München, die ähnliche Gehälter bekämen, wie sie im Flächentarifvertrag vorgesehen sind. Die Begründung: hohe Lebenshaltungskosten in München – „das sind sie bekanntlich aber auch in Frankfurt“, heißt es dazu in der Pressemitteilung.

Für den Fall eines Streiks warne der Arbeitgeber seit Beginn der Auseinandersetzungen vor Einsparungen, Nicht-Übernahme befristeter Kolleginnen und Kollegen sowie Arbeitsplatzverlust durch betriebliche Umstrukturierungen, und dem Ende von Investitionen in die FR-Redaktion, ohne dass es dafür ersichtliche Gründe gäbe. „Die Belegschaft hätte sich gewünscht, dass es nicht zum Streik kommt und eine Lösung am Verhandlungstisch herbeigeführt werden kann.“ Für weitere Gespräche seien sie jederzeit bereit.
 
Fotogalerie:
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1. Dezember 2023, 09.24 Uhr
Sina Claßen
 
Sina Claßen
Studium der Publizistik und des Öffentlichen Rechts an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2023 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Sina Claßen >>
 
 
 
 
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