Über das Osterwochenende bietet das Ensemble der Dramatischen Bühne einen Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt an – ähnlich wie Mephisto und Faust ihn in Goethes Klassiker gemacht haben.
Julian Mackenthun /
Vielleicht den größten deutschen Theaterklassiker überhaupt hat er geschrieben. In „Faust“ entwickelt Johann Wolfgang von Goethe ein Intellektuellendrama, einen Wettstreit zwischen Gott und dem Teufel, einen Kampf zwischen Gut und Böse, eine tragische Liebesgeschichte und vieles mehr. Dass Wendungen wie „des Pudels Kern“, „die Gretchenfrage“ oder „Da steh’ ich nun, ich armer Tor!“ zu einem Teil der Alltagssprache geworden sind, zeigt die kulturprägende Wirkung dieses Dramas.
Seit seiner Uraufführung 1829 wurde „Faust“ hundert-, vielleicht sogar tausendfach auf deutschen Theaterbühnen inszeniert. Was wäre also besser, als das Drama einmal seinen düsteren Theatersälen zu entreißen und hinaus ans Tageslicht zu bringen. Genau das macht die Dramatische Bühne nun mit ihrem „Osterspaziergang!“ – wie es im Stück selbst Mephistopheles, der Teufel, mit dem Titelhelden Faust macht.
Spaziergang mit dem Ensemble durch die Frankfurter Innenstadt
Der Gelehrte Faust will erfahren, was die Welt im innersten zusammenhält. So sitzt er in seinem düsteren Studierzimmer, liest und plagt sich mit Gedanken. Zwar schürft er dabei immer tiefer, stößt aber doch nie auf letztgültige Wahrheiten, sondern immer nur auf neue Fragen. Eine Erlösung verspricht ihm ausgerechnet der Teufel. Mephisto verführt Faust zu einem Pakt, verspricht ihm Ablenkung und Lebensfreude zum Preis seiner Seele. Faust schlägt ein, und so entführt Mephisto sein dankbares Opfer auf den Osterspaziergang.
Diese teuflisch gute Idee übernimmt also die Dramatische Bühne in Bezug auf ihre Zuschauer. Gemeinsam mit dem Ensemble begibt man sich auf einen Theaterspaziergang durch die Frankfurter Innenstadt, angefangen am Goethehaus im Großen Hirschgraben, über den Römerberg, am Dom vorbei und bis zum Mainufer. An diesen Stationen wird man Zeuge des Teufelspakts, trifft auf die Hexe, die Faust ihren Liebestrank braut, oder läuft einem verzweifelten Gretchen über den Weg, das von Faust verlassen wurde und bald eine dramatische Entscheidung trifft. Und ebenfalls mit Faust kann man zu jedem Augenblick nur sagen: „Verweile doch! Du bist so schön!“
Info Der Osterspaziergang, Theaterspecials, Ffm: Die Dramatische Bühne in der Exzess-Halle, Leipziger Straße 91, 18. April, 15 + 17 Uhr, 20./21. April, 14 + 16 Uhr
Julian Mackenthun, geboren 1993, studierte Englisch und Geschichte an der Goethe-Universität. Seit 2020 leitet er das Theater-Ressort des Journal Frankfurt.