Das „Project Shelter“ organisiert Unterkünfte für Flüchtlinge. Als Anlaufstelle wollen sie ein selbstverwaltetes Zentrum errichten – bisher aber fehlt politische Unterstützung. Eine Camp auf dem Campus Bockenheim soll das ändern.
Christina Weber /
Bisher blieben die Frankfurter Politiker tatenlos, wenn es um die Forderungen vom „Project Shelter“ geht. Die Initiative kämpft dafür, Unterkünfte für Flüchtlinge bereit zu stellen – wenigstens vorübergehend. Das langfristige Ziel ist ein selbstverwaltetes Zentrum als Anlaufstelle für Flüchtlinge. Doch die Stadt stellt bisher keine Räume zur Verfügung. Bei einer Online-Petition kamen rund 8000 Stimmen zusammen, die wolle man nun Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) überreichen. „Aber bisher warten wir auf eine Antwort“, sagt Lotte vom „Project Shelter“.
Da sie aber nicht nur abwarten wollten, hat die Gruppe eine Aktion ins Leben gerufen: ein Camp auf dem Campus Bockenheim. Seit gestern und noch bis kommenden Dienstag können hier bis zu 60 Menschen schlafen. Neben Flüchtlingen seien auch andere obdachlose Menschen gekommen, berichtet Tal Boomkers vom Projekt. „Die haben wir natürlich nicht weggeschickt, wir wollen ja Unterkünfte für alle“, sagt sie. Auch etliche Mitglieder der Initiative bleiben die ganze Zeit vor Ort, kochen, organisieren Workshops, stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. „Wir hoffen, dass wir so mehr Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Lotte. Auf dem Programm für die kommenden Tage stehen die unterschiedlichsten Punkte – von Diskussionsrunden über das verschärfte Asylrecht bis hin zu Jonglier-Kursen.
Unterstützung erhalten sie von Läden und Cafés. Die stellen Lebensmittel zur Verfügung, die nicht mehr verkauft werden können. Vor dem Kochzelt ist auch ein Grill aufbaut, so können alle Camp-Bewohner verköstigt werden. Auch eine kleine improvisierte Bar steht auf dem Gelände, hier werden Getränke verkauft. Offiziell beim Ordnungsamt angemeldet sei das Camp nicht, das sei aber auch nicht nötig. „Das ist ja Privatgrund der Uni, und über die haben wir eine Genehmigung. Das zählt hier als Bildungscamp“, erklärt Lotte.
Bisher habe sich noch kein Politiker im Camp blicken lassen, so Lotte. Lediglich die Partei Die Linke verkündete, dass sie die Aktion begrüße.