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Eintracht statt Provokation
CSD ändert Motto wegen Boykottandrohungen
„Liebe gegen Rechts“ anstatt „Lieb geil“: Da einige Gruppen Boykott und Gegendemos angekündigt hatten, änderte der CSD Frankfurt sein Motto. Die Einigkeit der Community war letztendlich wichtiger als Provokation.
Das diesjährige Motto des Christopher Street Day Frankfurt sollte „Lieb geil“ heißen, gehalten in altdeutscher Frakturschrift. Ganz bewusst hatten sich die Macher für Parallelen zu rechter Symbolik entschieden. Die Frakturschrift hat zwar im Grunde keine Verbindung zum Dritten Reich, abgesehen davon, dass es eben die gängige Schrift dieser Zeit war. Dennoch verbindet man die kantige Schriftart oft mit Nazi-Deutschland. Und der Spruch „Lieb geil“ erinnert an einen bekannten Ausruf des Hitler-Regimes. Zusätzlich hatte das Frankfurter Künstlerduo „Frankfurter Klasse“ die Kunstfigur Adrian H. geschaffen, die rosa Uniform und Hitler-Bärtchen trägt. Man wolle sich bewusst rechter Stilmittel bedienen und sie besetzen, hieß es auf der Seite des CSD.
Nicht alle fanden diesen Weg, mit einem Rechtsruck umzugehen, passend. Einer der ersten Kritiker war das Autonome Schwulenreferat der Goethe-Uni. Sie fürchteten, rechte Symbole werden durch einen satirischen Umgang eher legitimiert. „Außerdem ist so eine Massenveranstaltung schwer durch ein Organisationsteam zu steuern. Wir hatten Angst, dass die Stimmung außer Kontrolle geraten könnte, wenn viele Menschen das Motto rufen und vielleicht noch den Arm dazu heben“, begründet Christian Hey, Sprecher des Schwulenreferats. Man solle lieber konkrete politische Forderungen stellen, da bei Satire oft nicht klar sei, ob sie politisch ist oder nur Spaß, fügte er noch hinzu.
Auch weitere Gruppen schlossen sich der Kritik am provokanten Motto an. Es fehle es an „Weitblick, Selbstreflexion und Wissen um die eigene historische Verantwortung“, meinte etwa „Hessen ist Geil“. „SCHLAU Hessen“, „SCHLAU Frankfurt“ und sowie „Our Generation“ erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass sie einen reflektierten, andächtigen Umgang mit NS-Diktatur und Holocaust vermissen. Außerdem bemängelten sie fehlenden Respekt gegenüber Opfern rechter Ideologie. Einige Gruppen kündigten an, den CSD zu boykottieren, andere wollten Gegendemonstrationen organisieren.
Am Sonntag zog das Organisationsteam des Frankfurter CSD die Reißleine. Sie änderten das Motto in „Liebe gegen Rechts“. Man wolle keine geteilte Veranstaltung, so CSD-Sprecher Joachim Letschert. „Wenn es Gegendemos gibt, ist das erstmal kein Problem. Aber falls etwas passiert, liegt das in unsere Verantwortung.“
Dafür wird jetzt auf Provokation verzichtet. „Obwohl wir der Meinung sind, dass das Motto unmissverständlich war und es doch klar ist, dass ein CSD gegen Rechts ist. Und ein Mann in rosa Uniform und Hitler-Bärtchen ist doch eindeutig eine Parodie“, sagt Letschert. Die vergangenen Tage seien für die CSD-Macher sehr anstrengend gewesen. Daher solle für das kommende Jahr eine andere Lösung her. Die könnte so aussehen: Das CSD-Team übernimmt weiterhin die Organisation, das Motto wird gemeinsam von der Community kreiert.
Nicht alle fanden diesen Weg, mit einem Rechtsruck umzugehen, passend. Einer der ersten Kritiker war das Autonome Schwulenreferat der Goethe-Uni. Sie fürchteten, rechte Symbole werden durch einen satirischen Umgang eher legitimiert. „Außerdem ist so eine Massenveranstaltung schwer durch ein Organisationsteam zu steuern. Wir hatten Angst, dass die Stimmung außer Kontrolle geraten könnte, wenn viele Menschen das Motto rufen und vielleicht noch den Arm dazu heben“, begründet Christian Hey, Sprecher des Schwulenreferats. Man solle lieber konkrete politische Forderungen stellen, da bei Satire oft nicht klar sei, ob sie politisch ist oder nur Spaß, fügte er noch hinzu.
Auch weitere Gruppen schlossen sich der Kritik am provokanten Motto an. Es fehle es an „Weitblick, Selbstreflexion und Wissen um die eigene historische Verantwortung“, meinte etwa „Hessen ist Geil“. „SCHLAU Hessen“, „SCHLAU Frankfurt“ und sowie „Our Generation“ erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass sie einen reflektierten, andächtigen Umgang mit NS-Diktatur und Holocaust vermissen. Außerdem bemängelten sie fehlenden Respekt gegenüber Opfern rechter Ideologie. Einige Gruppen kündigten an, den CSD zu boykottieren, andere wollten Gegendemonstrationen organisieren.
Am Sonntag zog das Organisationsteam des Frankfurter CSD die Reißleine. Sie änderten das Motto in „Liebe gegen Rechts“. Man wolle keine geteilte Veranstaltung, so CSD-Sprecher Joachim Letschert. „Wenn es Gegendemos gibt, ist das erstmal kein Problem. Aber falls etwas passiert, liegt das in unsere Verantwortung.“
Dafür wird jetzt auf Provokation verzichtet. „Obwohl wir der Meinung sind, dass das Motto unmissverständlich war und es doch klar ist, dass ein CSD gegen Rechts ist. Und ein Mann in rosa Uniform und Hitler-Bärtchen ist doch eindeutig eine Parodie“, sagt Letschert. Die vergangenen Tage seien für die CSD-Macher sehr anstrengend gewesen. Daher solle für das kommende Jahr eine andere Lösung her. Die könnte so aussehen: Das CSD-Team übernimmt weiterhin die Organisation, das Motto wird gemeinsam von der Community kreiert.
27. Juni 2016, 17.34 Uhr
Christina Weber
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