Dippemess in Frankfurt

Was alles hinter dem Volksfest steckt

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Im Frühjahr und Herbst verwandelt sich der Festplatz am Ratsweg in die Dippemess. Tausende Frankfurter besuchen dann täglich das Volksfest. Dahinter steckt viel Arbeit – wovon die Gäste wenig mitbekommen.

Christina Weber /

Tausende Besucher drängen sich durch die Gassen auf der Dippemess, essen Zuckerwatte und Bratwurst; das Riesenrad dreht sich unaufhörlich und aus den Boxen am Autoscooter dröhnt laute Musik: der ganz normale Festbetrieb. Da lässt es sich schnell vergessen, dass so ein reibungsloser Ablauf nicht ohne penible Planung möglich ist. Hinter der Dippemess steckt monatelange Arbeit, von vielen verschiedenen Stellen. Nicht nur die Schausteller und der Veranstalter, die Tourismus und Congress GmbH Frankfurt, sind involviert. Bauaufsicht, TÜV, Ordnungsamts, Polizei, Veterinäramt und Gesundheitsamt etwa sind ebenfalls wichtige Akteure auf dem Festplatz am Ratsweg.

Eine der letzten großen Achterbahnen

Bereits im Oktober des Vorjahres fängt die Planung an. Ein Lageplan für alle Attraktionen muss erstellt werden, damit am Ende jeder Schausteller weiß, wo sein Platz ist. Ein paar Wochen vor Beginn der Dippmess beginnt der Aufbau. Unzählige Transporter rollen dann auf den Festplatz – nach einem genauen Zeitplan. Denn so manch einer kommt gleich mit einer ganzen Kolonne von Fahrzeugen angerollt. Spitzenreiter ist die „Alpina-Bahn“ – eine der letzten großen Achterbahnen in Deutschland, die nicht fest installiert sind.

Mit 42 Transportern wird das Fahrgeschäft angekarrt, das immerhin 650 Tonnen wiegt. Betreiber ist die Schaustellerfamilie Bruch, die bereits 1892 erstmals ein Riesenrad betrieb. „Heute lohnt sich der Bau solcher Achterbahnen einfach nicht mehr. Alleine die Bahn ohne Wagen würde zehn bis 15 Millionen Euro kosten“, erzählt Angela Bruch. Früher war die Bahn „Eurostar“ ebenfalls in Familienbesitz, „aber wir haben sie nach Russland verkauft“, so Bruch. Die Instandhaltungskosten wurden einfach zu hoch. Auch in die 25 Jahre alte „Alpina-Bahn“ muss immer wieder investiert werden. „Vor drei Jahren haben wir alle Achsen der Wagen erneuert – das hat rund 500.000 Euro gekostet“, sagt Bruch. Neben der Dippemess ist die Achterbahn an sieben weiteren Stationen im Jahr aufgebaut – querbeet durch Deutschland.

Alt eingesessene Schaustellefamilien und Quereinsteiger

Auch Rudolf Schütze ist in eine Schaustellerfamilie hineingeboren. Er betreibt die Geisterbahn „Schloss Dracula“ auf der Dippemess, auf deren Dach ein riesiger Werwolf sowie eine Fledermaus thronen. Im Inneren der Bahn warten zahlreiche sprechende Figuren, die den Besuchern einen ordentlichen Schreck einjagen sollen. Da richtet sich Dracula plötzlich in seinem Sarg auf und ein gruseliger Clown lacht höhnisch. Auf zwei Ebenen fahren jeweils neun Wage durch die Bahn. „Von Ostern bis Dezember sind wir fast ständig unterwegs“, berichtet Schütze. Da muss das Fahrgeschäft auch während einer Kirmes gewartet werden. Immer wieder werden Wagen und Schienen genau geprüft, um die Sicherheit der Gäste garantieren zu können, erklärt Schütze.

Sicherheit ist auch gerade bei rasanten Attraktionen, wie dem Rundfahrgeschäft „Circus Circus“ wichtig. Sieben Motoren betreiben die Wagen, die auf einer runden Platte montiert sind. Sowohl die Platte also auch die Wagen selbst drehen sich. „Jede Fahrt ist individuell. Man muss dabei immer auf das Publikum eingehen“, sagt Betreiber Thomas Gründler. Wichtig sei es auch zu beobachten, ob einem Fahrgast beispielsweise schlecht wird. Gründler macht auch selbst die Ansagen während der Fahrt. Er wurde eher zufällig Schausteller. „Ich habe früher bei der Sparkasse gearbeitet – das war todeslangweilig“, erzählt er. Irgendwann lernte er die Familie Bruch kennen. Zuerst betrieb Gründler mit ihr gemeinsam das Fahrgeschäft, im vergangenen Jahr kaufte er es dann. Sein Team reist mit einem 18 Meter langen Personalwagen an. Darin gibt es fünf Schlafplätze, zwei Duschen, Waschmaschine und Trockner sowie eine Küche mit Sitzbereich.

Ein Aufenthaltsraum für Ehrengäste

Eine Nummer luxuriöser ist der Camper von Familie Drexler, die den Schwenkgrill betreiben. Die Eltern haben in ihrem Wohnwagen eine Wohnzimmerecke inklusive gemütlicher Couch, flauschigem Teppich, großem Fernseher und Kamin. „Die Kinder haben einen eigenen Wagen“, berichtet Mutter Tatiana. Denn der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern – allen voran die 19-jährige Tochter.

Reichlich Verpflegung gibt es nicht nur beim Schwenkgrill sondern auch im Festzelt von Familie Hausmann. Ein Volksfest in Frankfurt ist kaum denkbar ohne deftiges Essen und reichlich Getränke von der Gastronomen-Familie. Wenn mal ein Gast zu tief ins Glas geschaut hat uns sich daneben benimmt, kommt die Polizei zum Einsatz. Mit gut 15 Einsatzkräften ist die auf dem Festplatz vertreten. Oft sind es Jugendliche, die auffällig werden. „Wir verfolgen hier eine Null-Toleranz-Politik“, berichtet der Einsatzleiter. Selbst wenn ein Besucher nur auf den Boden spuckt, gibt es eine Verwarnung. Auch Taschenkontrollen gehören zum alltäglichen Geschäft der Polizei. Fällt ein Gast wiederholt auf, kann er auch im „Aufenthaltsraum für Ehrengäste“ landen, wie der Einsatzleiter den Verwahrungsraum schmunzelnd nennt. In der Zelle müssen diese Ehrengäste dann ausharren, bis die Eltern sie abholen. Sind die Personen schon volljährig, müssen sie bis eine Stunde nach Festbetrieb warten, bevor sie gehen können. In jedem Fall geht für uneinsichtige Gäste die Dippemess frühestens am nächsten Tag weiter.


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