Die Literaturwelt steht Kopf

S. Fischer feiert keine Buchmessen-Party

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Buchmessen-Partys sind legendär, nun wird es die wichtigste nicht mehr geben. Der Frankfurter S.Fischer-Verlag hat beschlossen, seine Sause im Verlagshaus kurzfristig abzublasen. Aus Sicherheitsgründen.

Christoph Schröder /

Was eigentlich, so fragen sich viele, machen all diese Leute, die zur Buchmesse nach Frankfurt kommen, wenn die Messehallen am Abend geschlossen werden? Das Vorurteil: Sie saufen und fressen sich auf Kosten der Verlage, die sich das noch leisten können, durch und übernachten dann entweder bei Verwandten in Dreieich oder Oberursel (weil sie sich kein Hotel leisten können), oder bleiben eben unter der Brücke, bis sie sich auf den Messe-WCs rasieren und die Zähne putzen können.

Die Wahrheit ist: Sie pflegen in einem angenehmen Ambiente Konversation, unterhalten sich über Literatur, Philosophie und Musik und freuen sich, dass man sich endlich mal wiedersieht. Eine der Gelegenheiten zum dezenten Meinungsaustausch fällt in diesem Jahr flach: Vom S. Fischer Verlag erreichte uns nun eine erschütternde Mitteilung: „In diesem Jahr“, so schreibt Verlegerin Monika Schoeller (Foto) in einem Brief, „wurden wir vor wenigen Tagen von neuen, erhöhten Sicherheitsanforderungen überrascht, die wir in den verbleibenden Wochen bis zur Messe nicht umsetzen können.“ Die S. Fischer-Verlagsparty fällt aus. Eine der zentralen Anlaufstellen aller Literaturberiebsfeierheinis: weg. Nicht für immer, nur dieses Jahr, so verspricht Frau Schoeller. Das verstehen wir wirklich nicht. Es macht uns fassungslos. Das güldene Gesetz nämlich lautet: So lange Roger Willemsen Jahr für Jahr auf der S. Fischer-Party direkt hinter dem Eingang rechts an die Mauer gelehnt steht und mit freundlichem Lächeln Konversation hält, ist die Welt noch in Ordnung. Aus, vorbei. Es kommen harte Zeiten.


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