Der Geschäftsführer des U60311, Alexander Eger, will sich bis spätestens Ende Dezember aus dem Betrieb zurückziehen. Drei neue Gesellschafter wollen dann das Ruder übernehmen. Der Ärger mit der Stadt aber wird bleiben.
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Man muss mittlerweile weit zurückgehen, um den Anfang vom angeblichen Ende des U60311 zu erzählen. An Ostern 2011 wurde ein Gast von den Türstehern des Clubs zusammengeschlagen, er starb. Danach versuchte die Stadt nicht nur, den U-Geschäftsführer Alexander Eger loszuwerden, sondern gleich den ganzen Club zu schließen. Keine einfache Sache, wie sich zeigte. Während der Prozess gegen die Türsteher lief, blieb der Club geöffnet. Und auch als im September 2012 das Urteil gefällt wurde, änderte sich daran nichts. Der Club hatte nach kurzer Schließung unter neuer künstlerischer Leitung wiedereröffnet. Das Programm gestalteten nun der DJ und Produzent Pascal FEOS und seine Partnerin Kerstin Eden. Der Insolvenzverwalter des Ladens setzte das durch - um Einnahmen für die Gläubiger zu generieren. Der Protest der Stadt blieb erfolglos, und im Hintergrund blieb Eger weiterhin der Geschäftsführer der insolventen Gesellschaft.
Letzteres soll sich nun ändern. Laut einer Mitteilung des Clubs soll die U60311 Veranstaltungs- und Gastronomie GmbH und ihr Geschäftsführer das Feld räumen. Neu auf den Plan tritt dann die U60311 Betreiber UG mit den Gesellschaftern Salar Maleki (Geschäftsführer), Ummair Sarwar und Stipe Abram. Wie der Name schon vermuten lässt, kommt das Gesellschaftertrio jedoch aus den Reihen des U60311. "Mit Salar Maleki, Ummair Sarwar und Stipe Abram haben sich drei langjährige Mitarbeiter aus den Bereichen Nightmanagement, Künstlerbetreuung und Thekengastronomie zusammen getan, um für den Erhalt der langen elektronischen Musiktradition am Rossmarkt einzustehen", wie es in der Mitteilung heißt. Kerstin Eden sagt: "Wir bleiben weiterhin als musikalische Berater da und kümmern uns wie gehabt um das Wochenendbooking." Für die Besucher dürfte das ein äußerst weicher, kaum spürbarer Übergang sein. Unterstützung erhält das neue Team vom Frankfurter DJ Toni Rios, der ebenfalls bereits öfters im U auflegte. "Von 2013 an wird er wieder häufiger einen eigenen Abend hosten. Alles weitere wird sich zeigen", so Kerstin Eden.
Dass das U60311 weiter geöffnet bleibt, dürfte für die Stadtverwaltung wenig erfreulich sein. Das unterirdische Bauwerk gehört zwar dem Liegenschaftsamt, der Mietvertrag läuft aber noch etliche Jahre. Bisherige Bemühungen der Stadt, den Betreibern zu kündigen, waren erfolglos. Das Planungsdezernat hatte angrenzenden Geschäften schon vor zwei Jahren in Aussicht gestellt, die oberirdischen Technik-Gebäude zu erneuern, eines von ihnen abzureißen. Solange der Disko-Betrieb läuft, ist dies jedoch nicht möglich. Zuletzt scheiterte im Juli eine Schlüsselübergabe zwischen Stadt und Mieter. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel sieht durch den Gesellschafterwechsel sogar gute Chancen, den Mietvertrag nicht neu auflegen zu müssen. Der bestehende Vertrag wurde mit Herrn Eger uns seiner GmbH geschlossen. "Die Bauarbeiten müssen gemacht werden, sie haben für uns erst einmal Priorität." Es wird also nicht die letzte Nachricht aus dem Hause U60311 sein, die nicht direkt mit den dortigen Veranstaltungen zu tun hat.
Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass auch Pascal FEOS und Kerstin Eden zum Jahresende das Feld räumen. Wir haben den Fehler berichtigt.